Software unter der Lupe: Scrivener

scrivener-logo

Wenn es um Schreibprogramme geht, die speziell auf die Bedürfnisse von Schriftsteller zugeschnitten sind, fallen meist mehrere Namen. Papyrus Autor zum Beispiel gehört mittlerweile zum Werkzeugkasten vieler Autoren, und das zurecht, denn der Umfang an Funktionen ist enorm.
Seit einiger Zeit drängt jedoch ein anderes Programm auf den Markt, das immer mal wieder Erwähnung findet. Zwar hauptsächlich im englischsprachigen Raum, aber seit ein paar Monaten gibt es die Software auch in deutscher Sprache, und sie findet zunehmend Zuspruch. Ein guter Grund, Scrivener mal unter die Lupe zu nehmen.

Scrivener

So sieht Scrivener aus; wobei sich am Layout einiges individualisieren lässt.

 

Was macht Scrivener anders?

Was bietet Scrivener der schreibenden Zunft, was Papyrus, Win Word, Ywriter und die vielen anderen, zum Teil sogar kostenlosen Schreibprogramme nicht bieten?  Und: Macht es überhaupt etwas besser?


(Eines vorweg: Wer das Programm selber testen möchte, kann das mit einer kostenlosen Probeversion machen. Diese bietet den gleichen Umfang wie die Vollversion, die Nutzung ist jedoch auf dreißig Tage beschränkt. Wohlbemerkt: nicht dreißig aufeinanderfolgende Tage, sondern reine Nutzungstage. Man kann also wirklich ganz in Ruhe testen.)


Um zu erklären, was Scrivener genau ist und was es im Einzelnen für uns Schreibende tun kann, ist es vielleicht hilfreich, sich vor Augen zu führen, wer die Zielgruppe ist. Denn eines ist klar: Wer ausschließlich kurze Texte verfasst, wie zum Beispiel übersichtliche Artikel oder Kurzgeschichten, der wird keinen Nutzen aus Scrivener ziehen.

Vielleicht wird er sich sogar ärgern, denn obwohl das Programm mittlerweile in deutscher Sprache erhältlich ist, sind es die implementierten Nachschlagewerke noch nicht alle. Wo also Papyrus‘ phänomenale Stärken liegen (auch wenn die Rechtschreibprüfung tadellos funktioniert, an die Qualitäten des Duden Korrekturs kommt sie nicht heran), krankt Scrivener (noch?). Das ist schade und für manche vielleicht auch ein K.O.-Kriterium. Was die Enttäuschung etwas schmälert, sind die im Programm eingebauten Direktverlinkungen zu Wikipedia, zur Dudenseite und zu Google. Eine Internetverbindung vorausgesetzt. Wer wie ich zwar hauptsächlich am heimischen Rechner tippt, aber auch gerne mal unterwegs am Laptop ohne Internetzugang, hat dann das Nachsehen.

Scriveners Stärken liegen woanders.
Wer an längeren Projekten und Manuskripten schreibt und dabei plottet, recherchiert, Informationen zusammen trägt, Datenbanken erstellt und Brainstormings schriftlich und projektbezogen festhält, stößt bei vielen Programmen schnell an die Grenzen der Übersichtlichkeit. Und hier kommt Scrivener ins Spiel. Ich schreibe derzeit an einem sehr umfangreichen Manuskript, und durch Scrivener kann ich absolut alles, was sich im Vorfeld und auch während des Schreibprozesses angesammelt hat, in einer einzigen Projektdatei speichern. Keine Ordner und Unterordner mehr, keine von Hand mühsam zusammengestellten Datenbanken mehr, keine Linksammlung im Browser zu diversen Themen und Googlemaps-Markierungen mit den Lokalitäten. Bei Scrivener ist alles an einem Ort, und das völlig homogen neben dem eigentlichen Text. Es ist so, wie man es sich als Schreiber wünscht: Der Text steht im Mittelpunkt, und rundherum befindet sich all das, was ich dafür brauche, und ich greife völlig intuitiv darauf zu, ohne den Arbeitsprozess zu unterbrechen.

Wie macht Scrivener das?

Der Bildschirm ist grundsätzlich in vier Bereiche eingeteilt.

Der wichtigste Bereich – der Text – befindet sich in der Mitte.

Srcivener_Textbereich

Das, worauf es wirklich ankommt, liegt bei Scrivener zentral.

Der Clou: Scrivener bietet eine Funktion, bei der man auf Klick nur noch den reinen Text auf dem Bildschirm sieht, sonst nichts, so dass Autor und Text ganz für sich alleine sind.

Scrivener_SchreibmodusSmall

Der Schreibmodus – ein Killer!

Es ist verblüffend, wie durch so eine simple Funktion die Produktivität gesteigert wird. Man sieht keine Uhr, die einen zur Eile drängt. Kein Browser, der einen zum Facebooken verleiten will, keine anderen Programme, die einen irgendwie ablenken wollen. Keine Notizzettel, Dokumentenstruktur, Recherchematerial. Alles weg. Und dann passiert etwas Eigenartiges: Komme ich an eine Stelle, an der ich normalerweise noch mal Google bemühen würde, weil ich mir zum Beispiel bei einer Schreibweise oder einem technischen Detail unsicher bin, und somit Gefahr laufe, mich in den Weiten des Internets zu verlieren, mache ich etwas anderes: Ich kennzeichne mir die Stelle zur Überarbeitung (wer es genau wissen will: Ich schreibe Recherche oder ??? hinter die entsprechende Stelle). Und dann schreibe ich einfach weiter und weiter und weiter. Und ich werde durch absolut nichts aus dem Schreibfluss gerissen. Ich schreibe dann so lange, bis ich meine, dass alles zu einer Szene gesagt ist. Das hat auch meine Art und Weise, wie ich mich ausdrücke und formuliere nachhaltig beeinflusst. Wie ich finde, zum Positiven.

Wenn dieser Modus nicht aktiv ist, stehen uns die üblichen Textformationen am oberen Rand zu verfügen, von der Schriftart bis hin zur Ausrichtung ist alles dabei.

Der obere Bereich

Am oberen Bildschirmrand finden wir die einzelnen Menüpunkte wie bei jedem Programm, darunter eine Leiste, auf der wir die am häufigst von uns benutzten Funktionen parken können. Das ist auch bei anderen Programmen Standard und wird von Scrivener grafisch hübsch umgesetzt. Und überhaupt kommt das Programm im Gegensatz zu so manchem Konkurrenzprogramm recht augenschmeichelnd daher.

Scrivener_obererBereich

Die Menü- und darunter die Symbolleiste

Der linke Bereich

Links auf dem Bildschirm, wo sich bei anderen Programmen häufig die Dokumentstruktur befindet, ist bei Scrivener gleich die komplette Projektstruktur hinterlegt. Das ist das eigentliche Herzstück des Programms.

Scrivener_linkerBereich

Das Herzstück von Scrivener

Hier können wir neben einzelnen Textdokumenten (die späteren Kapitel), die wir beliebig hin- und herschieben können, auch Datenblätter für Protagonisten anlegen (eine entsprechende Vorlage ist bereits dabei), oder auch welche für Örtlichkeiten und Gegenstände (wofür es ebenfalls Vorlagen gibt) oder irgendetwas anderes, sofern wir es brauchen. Unserer Kreativität sind keine Grenzen gesetzt. Wir schreiben einen Fantasyroman mit eigenem Magiesystem und Zaubern? Machen wir uns doch ein Zauberbuch, in dem wir die einzelnen Sprüche mit den jeweiligen Auswirkungen hinterlegen. Oder wie wäre es mit einem eigenen Ordner für technische Errungenschaften in einem Science Fiction-Roman? Ein Monsterkompendium? Alles ist möglich. So habe ich mir eigens einen Brainstorming-Ordner angelegt und den jeweiligen Ideen ein eigenes Datenblatt zugeteilt. Dann habe ich einen Bilderordner, denn auch das geht so einfach, wie man es sich nur vorstellen kann: Während meiner Recherche habe ich vor Ort Fotos geschossen und die dann einfach per Drag & Drop in Scrivener reingezogen. Das geht übrigens auch mit allen anderen Bildern, die man zum Beispiel im Internet findet (sogar mit ganzen Internetseiten). Das ist auch interessant für die Protagonistendatenbank (Porträts) oder für eine, in der Gegenstände hinterlegt sind oder Orte, die man nicht selbst bereist hat. Auch hier: Screenshot bei Google Maps machen und einfach in Scrivener rüberziehen. Schon hat man von allen Handlungsorten eine geographische Übersicht.

Scrivener_Maps

Ein Screenshot von Google Maps als Bilddatei hinterlegt. Per Klick zur Verfügung, ganz ohne erst den Webbrowser und dann den Link zu öffnen

Wie gesagt lässt sich mit diesem Tool so ziemlich alles realisieren, was man nur möchte. Mit einer Symbolsammlung und individuellen Farbgestaltung und unterschiedlichen Statuszuteilungen (z.B. First Draft, To Do, Final Draft) lassen sich all diese Dinge bis zum Gehtnichtmehr dem persönlichen Geschmack und eigenen Verständnis von Ordnung individualisieren.
Und anschließend hat man mit nur einem Klick Zugriff auf all diese Informationen. Alles an einer Stelle, direkt neben dem Text. Mehr Übersichtlichkeit und Effizienz geht nicht.

Die Pinnwand

Doch wir können noch mehr machen mit Scrivener. Ist die linke Seite im Grunde genommen nach der klassischen Baumstruktur aufgebaut, haben wir noch auf einem anderen Weg Zugriff auf unsere Daten. Wählen wir den jeweiligen Hauptordner an, wie z.B. das Hauptmanuskript, oder „Protagonisten“ oder „Orte“, verschwindet der Text in der Mitte und macht einer Korkwand platz

Scrivener_Pinnwand

Die bisherigen Kapitel in der Pinnwand – Übersicht

Auf diese sind sämtliche Datensätze, die wir im Ordner angelegt haben, geheftet. Hier können wir diesen Datensätzen (z.B. Kapiteln, Protagonisten, Orten usw.) Kurzbeschreibungen verpassen und sie nach Belieben in der Reihenfolge verschieben. Wir können Farben verändern, oder den Status. Und vieles mehr.

Scrivener_Pinnwand2

Meine Recherchefotos auf der Pinnwand.

 

Der rechte Bereich

Verlassen wir die Korkwand aber wieder und kehren zum Text zurück. Der rechte Bereich enthält die Zusatzinformationen der jeweiligen Datei, die wir gerade geöffnet haben. Bei einem Kapitel wären das zum Beispiel Status (To Do, First Draft …), Farbe (ich zum Beispiel markiere mir unterschiedliche Zeitstränge mit anderen Farben), eine Kurzinfo, Zusammenfassung oder Notizen, die wir angelegt haben. Aber auch Bilder, die wir hinterlegt haben. Und auch hier können wir das wieder alles editieren. Außerdem können wir uns hier Projektnotizen anzeigen lassen, oder Schlüsselwörter und Metadaten, Kommentare und Fußnoten.

Scrivener_rechterBereich

Wie jeden Bereich auch, kann man diesen hier nach Belieben ein- und ausblenden. Und die Größe anpassen.

Kurzum: Bei Scrivener lässt sich viel einstellen. Aber dadurch wird es nicht unübersichtlich. Denn diese Einstellungs- und Eingabemöglichkeiten stehen uns an vielen Stellen des Programms zur Verfügung, so dass wir nicht danach suchen müssen. Vieles passiert bei Scrivener intuitiv, damit wir uns auf den Text konzentrieren können. Scrivener versteht sich als Assistent, der uns das Drumherum abnimmt und für Ordnung und Übersicht sorgt. Und sich zurückzieht, wenn er nicht gebraucht wird, um uns nicht zu stören.
Ergänzt wird das Ganze durch viele nützliche Zusatzfunktionen, wie verschiedene Ausgabeformate (z.B. als Normseite) auf Knopfdruck und diverse statistische Anzeigen. Für mich, der seit vielen Jahren mit einem zu erfüllenden Tagespensum arbeitet, ist zum Beispiel folgende Funktion sehr hilfreich: „Projekt Ziele“ zeigt mir auf Klick an, wie viele Wörter ich während der laufenden Sitzung geschrieben habe, und wie viel mir bis zum Tagespensum noch fehlen (oder wie viele ich drüber bin). Wenn ich einer der Autoren wäre, die schon im Vorfeld wissen, wie viele Wörter das Projekt am Ende haben soll, könnte ich zusätzlich ein Gesamtziel eintragen und bekomme sowohl als Zahl als auch als grafischen Strahl angezeigt, wie weit ich noch von diesem Ziel entfernt bin. Ganz hilfreich auch für Kurzgeschichten und Wettbewerbe, bei denen es Vorgaben für die Textlänge gibt.

 

Persönliches Fazit

Ich schreibe die Rohfassung meiner Manuskripte jetzt mit Scrivener. Und zwar so weit, bis ich mir sicher bin, dass sich an der inneren Struktur des Textes nicht mehr viel ändern wird. Erst dann erfolgt der Feinschliff des Textes in Papyrus Autor. Und natürlich in vielen, vielen Überarbeitungen per Hand, denn das kann einem kein Programm der Welt abnehmen: Text ausdrucken, aufs Sofa hauen oder raus in die Sonne und dort mit einem Stift völlig oldschool auf Fehler- und Textschwächensuche gehen.
So mache ich es. Jeder macht es anders. Aber ich empfehle jedem, der sich ein wenig mehr Übersichtlichkeit in seinen Projekten wünscht, oder der glaubt, sein Workflow könnte noch Optimierung vertragen, mal einen Blick auf Scrivener zu werfen.
Den Preis von rund vierzig Euro empfinde ich dabei, gemessen am Umfang, übrigens als recht günstig. Wer täglich schreibt, investiert gerne ein paar Mücken in eine Optimierung.

 


Alle hier abgebildeten Screenshots stammen aus dem Manuskript, an dem ich aktuell schreibe.


Dir gefällt, was ich schreibe? Dann solltest du mal einen Blick auf meine Bücher werfen: Veröffentlichungen

Lest auch meine anderen Artikel für Vielschreiber.

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Software unter der Lupe: Papyrus Autor

Papyrus Autor

Wie gut ist Papyrus Autor wirklich?

Um dieser Frage nachzugehen, muss sich jeder Schreiberling, bzw. jede Schreiberine darüber im Klaren sein, was er oder sie von einer Schreibsoftware erwartet.

Text in Form bringen und gliedern, Seitenformate anpassen und in unterschiedliche Datentypen speichern – das hat fast jedes Programm drauf. Wenn ich also der Überzeugung bin, dass meine Schreibe keiner Nachbesserung oder Unterstützung bedarf, dann genügen die gängigen Programme wie WinWord oder LibreOffice. Eigentlich reicht dann sogar Wordpad.

Möchte ich allerdings, dass mir die Software ein wenig unter die Arme greift, mir beim Strukturieren des Textes hilft, Zeit erspart und auf Fehler aufmerksam macht (vielleicht sogar auf stilistische Ungereimtheiten) und mir das Leben als Vielschreiber von belletristischen Texten ganz allgemein erleichtert, dann benötige ich ein wenig mehr. Dann macht es Sinn, sich über die Anschaffung über ein speziell für Schriftsteller zugeschnittenes Programm nachzudenken. Davon gibt es gleich mehrere.

Was hat Papyrus Autor zu bieten?

Das lässt sich ganz klar auf einen Haufen Funktionen herunterbrechen, die andere Schreibprogramme nicht haben, oder vielleicht in einer Form, die unkomfortabel erscheint für jemanden, der eigentlich nur eine Geschichte schreiben möchte. Denn LibreOffice und WinWord sind für eine breitere Kundschaft, die unterschiedliche Anforderungen haben, konzipiert. Sie übernehmen also Aufgaben auf mehreren Ebenen, Papyrus Autor hingegen konzentriert sich mit seinem Umfang voll und ganz auf Autoren von Geschichten.

Doch was genau sind diese Funktionen?

Fangen wir an mit den Kleinigkeiten, die man nie wieder missen möchte:

Die Normseitenformatierung

Ihr habt unter euren Text das Wort ENDE geschrieben, und jetzt soll er veröffentlicht, bzw. Verlagen angeboten werden. Dafür braucht der Text ein bestimmtes Format, ohne das in der Verlagswelt nichts geht: die Normseite. Bei Papyrus müsst ihr dafür keine Schrifttypen und -größen anpassen, Zeilenabstände und Seitenränder einstellen. Es reicht der Klick auf den entsprechenden Button und schon habt ihr den Text im Normseitenformat.

Speichern als PDF-Datei

Das Gleiche gilt auch hier: Klickt auf den entsprechenden Knopf und schon habt ihr euren Text als PDF-Datei gespeichert.

Der Textmarker

Ihr wollt einen Text markieren, weil ihr später noch mal daran arbeiten wollt, oder weil er eine Schlüsselszene darstellt, oder weil ihr ihn besonders gut gelungen findet oder oder oder … kein Problem: Text markieren, Klick auf Textmarkerbutton (Farbe individuell einstellbar) und fertig.

Die Notizzettel

Ihr wollt euch eine Notiz zu einem Satz, Absatz oder bestimmten Wort machen? Gründe gibt es dafür schließlich immer. Den entsprechenden Text anklicken, danach den Notizzettel, der dann auf der entsprechenden Seite angelegt wird. Anschließend könnt ihr ihn frei auf dem Bildschirm platzieren. Zusätzlich gibt es noch einen Notizblock, welcher ein eigenes Textdokument darstellt. Dort könnt ihr endlos lange Notizen hinterlegen.

Der Navigator

Am Bildschirmrand platziert zeigt euch der sogenannte Navigator auf Wunsch die Struktur eures Textes an. Arbeitet ihr im Text mit Überschriften (und sei es nur „Kapitel 1, 2, 3 usw.“), dann könnt ihr dort mit einem Klick zwischen den jeweiligen Kapiteln bzw. Textpassagen hin- und herspringen. Zusätzlich können die jeweiligen Kapitelüberschriften im Navigator mit unterschiedlichen Werten belegt werden. Zum Beispiel könnt ihr sie nach Belieben einfärben oder ihnen einen Status verpassen wie „überarbeiten“, „lektoriert“, „Feinschliff“ und viele mehr. Das ist allerdings nur eine der vielen grundlegenden Funktionen des Navigators, er kann weitaus mehr! Eine grobe Übersicht erhaltet ihr auf der Homepage von Papyrus Autor, und zwar hier: *klick*

Textformatierung und individuelle Gestaltung der Benutzeroberfläche

Wie in jedem anderen Programm gibt es die üblichen Werkzeuge, um den Text nach Belieben zu formatieren. Die Benutzeroberfläche lässt sich sehr individuell gestalten, so dass ihr nur die Buttons seht, die ihr auch tatsächlich häufig braucht.

Datenbanken

Es können ganze Datenbanken für Protagonisten, Orte und Gegenstände (oder was auch immer ihr braucht) angelegt werden. Anschließend lassen sich die Datenbanken mit dem Text verknüpfen, so dass ihr zum Beispiel sehen könnt, wo und wann und wie häufig eine Person oder ein Gegenstand erwähnt wird. Ich muss allerdings zugeben, dass dies eine der schwieriger zugänglichen Funktionen von Papyrus Autor ist, weswegen ich sie noch nie in der Praxis nutzte, sondern nur ausprobiert habe. Wer aber Science-Fiction-Epen im Umfang von Frank Schätzings Werken schreiben möchte, der wird sich sehr über diese Möglichkeit freuen.

 

Sicherlich, es gibt noch weitaus mehr Funktionen. Für jeden ist etwas anderes wichtig. Die oben angeführte Auswahl fasst jedoch nach meinem Befinden den grundsätzlichen Umfang zusammen. Sicherlich findet sich für jedes Bedürfnis in Papyrus Autor eine Lösung. Zumindest habe ich noch nie jemanden klagen hören, dass er an dem Programm etwas vermisse.

Aber zu diesen Funktionen kommen zwei Features hinzu, die Papyrus Autor schlicht einzigartig machen und denen das Programm wohl auch seinen Erfolg zu verdanken hat. Da diese derartig hervorstechen, möchte ich sie von den anderen Funktionen im Folgenden gesondert vorstellen.

Der Dudenkorrektur

Mir ist noch kein Programm unter die Finger gekommen, das über eine derartig gute Rechtschreibprüfung verfügt. Klar – auch der Dudenkorrektor ersetzt kein professionelles Lektorat, aber er sieht vieles, was anderen entgeht, beziehungsweise zeigt er nicht sämtliche Wörter, die auch nur ansatzweise ein Fremdwort sein könnten, als Fehler an. Der Dudenkorrektur schimpft an den richtigen Stellen und macht zumeist vernünftige Verbesserungsvorschläge. Auch das Synonymwörterbuch, das per Rechtsklick auf ein Wort zur Verfügung steht, lässt andere seiner Art alt aussehen.

Selbst wenn ich mal einen Text in einem anderen Schreibprogramm verfasst habe – ich lasse immer noch mal den Dudenkorrektor von Papyrus Autor drüber laufen. Sicher ist sicher.

Die Stilanalyse

Vielleicht habt ihr schon von ihr gehört. Für manche haftet der Stilanalyse etwas Mystisches an. Ein Schreibprogramm, das meine Schreibe analysiert und mir eine Rückmeldung darüber gibt? Der Skeptiker spricht gar von der Gleichschaltung der Schreibe. Das Programm entscheidet nach bestimmten Kriterien, ob ein „Stil“ gut ist oder der Verbesserung bedarf. Wenn sich nun alle Autoren daran halten – dann schreiben alle gleich. Das ließe den Schluss zu, dass man anhand eines Textes erkennen kann, ob ein Autor mit der Stilanalyse arbeitet oder nicht. Wo bleibt da die Kunst?

Alles Quatsch. Es gibt gewisse Regeln, die es einzuhalten gilt, wenn man eine Geschichte so erzählen möchte, dass sie auch von anderen als spannend und interessant wahrgenommen wird. Man darf diese Regeln natürlich auch brechen, aber dann sollte man wissen, warum man das macht und welche Wirkung das auf den Leser hat. Sie von vorneherein nicht zu erlernen und das Ergebnis dann mit „Kunst“ zu entschuldigen, das kann man natürlich auch machen. Aber dann sollte man sich nicht beklagen, wenn niemand den Text wirklich bis zum Ende lesen möchte.

Die Stilanalyse durchsucht den Text also nach diesen Regeln. Und dann zeigt sie uns, wenn zum Beispiel ein Satz zu lang geraten ist oder wir wider besseren Wissens doch ein Adjektiv verwendet haben. Wenn wir uns mal wieder zu einer passiven Beschreibung haben hinreißen lassen, oder wenn ein Wiederholungsfehler vorliegt und so weiter und so fort.

Das ist eine Funktion, die besonders Anfängern gewaltig unter die Arme greift – ich spreche da aus eigener Erfahrung.  Wenn man sich einmal intensiv damit beschäftigt (und damit meine ich: Eine Seite Text sezieren, umschreiben, umformulieren, und wieder sezieren, so lange, bis jedes Wort dort sitzt, wo es hin soll. Und dann das Gleiche mit der nächsten Seite machen, und mit der nächsten und der danach, bis man alle Seiten des Manuskripts durchgeackert hat), dann lernt man dabei ungeheuerlich viel.

Wenn man das dann erst einmal drauf hat, muss man deswegen die Stilanalyse nicht komplett abschalten. Man kann sich auch nur einzelne Teile anzeigen lassen. Praktisch, wenn man weiß, wo die eigenen Schwächen liegen.

Wer das Ganze mal ohne das Programm ausprobieren möchte, der kann das auf der Homepage des Schriftstellers Andreas Eschbach machen. Herr Eschbach lieferte mit seinem „10-Punkte-Text-ÜV“ die Vorlage zur Stilanalyse von Papyrus Autor. Der 10-Punkt-Text-ÜV sieht vor, dass man seinen eigenen Text nach bestimmten Regeln durchgeht und bestimmte Wörter markiert, um sie dann gegebenenfalls auszubessern. Wie das genau funktioniert, seht ihr hier: *klick*

Ich rate davon ab, einen Text in Papyrus Autor reinzukopieren, die Stilanalyse anzuschalten und dann zu erwarten, das Geschriebene würde dadurch besser werden. Das Prinzip der Stilanalyse sollte verstanden sein, sonst verzettelt man sich schnell.

Fazit

Ist Papyrus Autor nun das Nonplusultra für Schriftsteller?

Im Grunde genommen bietet es nichts, was man nicht auch mit Stift und Papier und der entsprechenden Lektüre (Duden, 10-Punkte-Text-ÜV) und einigen Notizzetteln und Ordnern nicht auch hinbekäme.

Aber gerade Anfänger können von dem Programm enorm profitieren, und die Rechtschreibprüfung samt Synonymwörterbuch sind einfach unschlagbar. Zudem ist das Programm sehr komfortabel und auf die Bedürfnisse eines Schriftsteller zugeschnitten, so dass es nicht nur für Ordnung auf dem Schreibtisch sorgt, sondern auch Zeit spart. Zeit, in der man schreiben kann.

Hier geht es zur Homepage von Papyrus Autor, wo ihr das Programm beziehen könnt (für Windows und Mac): *klick*

Und für alle, die neugierig geworden sind, hier geht es zur Demo: *klick*

Das nächste Schreibprogramm, das ich an dieser Stelle vorstellen werde, wird übrigens Scrivener sein.

Bis dahin,

Sönke


 

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