Hardware unter der Lupe: Steelseries 6Gv2

Puristischer Stahl

Auf den ersten Blick ist die 6Gv2 ein gewöhnliches mechanisches Keyboard. Auf den zweiten Blick erkennt man: genau das ist das Besondere an dem Teil. Denn Steelseries hat die Perfektion im Puristischen gesucht. Aber hat der Hersteller von Peripheriegeräten sie auch gefunden?

Das herausstechende Merkmal zuerst:

Das 6Gv2 ist ein Brett von herausragender Qualität. Sie ist schwer, sie wirkt unendlich stabil (der Innenteil besteht aus Metall), und sie ist absolut passgenau verarbeitet worden. Da steht nirgends etwas über, es stört keine Kante, man sieht keine Schweißnähte, alles geht ineinander über, nahtlos, fehlerlos. Und sucht man noch so sehr nach einer Störung in dieser Perfektion, nach irgendetwas, das einen wenigstens ahnen lässt, dass das Gerät von Menschenhand, bzw. von einer von Menschenhand gemachten Maschine gemacht wurde – man findet es nicht. Die Verarbeitung ist perfekt. Punkt.

Genauso verhält es sich auch mit den verbauten Cherry MX Black – Schaltern.

Es lässt sich sehr straff und äußerst präzise auf ihnen tippen, aber man muss das Einfache mögen: Es gibt weder ein akustisches noch ein haptisches Feedback bei diesen Schaltertypen. Dafür darf man aber auch ruhig mit dem Vorschlaghammer auf den Tasten rumkloppen; die 6gv2 dürfte das mit einem müden Lächeln wegstecken.

Steelseries 6Gv2

Diese Tastatur ist wahrlich ein Panzer durch und durch. Schwer, unzerstörbar, tödlich.

Wenn man ein wenig genauer hinsieht, fallen dann aber doch ein paar Dinge auf, die von der Norm abweichen.

Steelseries versucht hier, das Prinzip, das sich schon seit Jahrzehnten bei Tastaturen bewährt, ihrem Anspruch entsprechend zu verbessern.
Da hätten wir einmal die fehlende linke Windowstaste. Statt ihr prangt dort das Firmenlogo, das hier als Funktionstaste dient. Der Gedanke dahinter ist, dass man beim Zocken nicht im Eifer des Gefechts aus Versehen die Windowstaste drückt und das Spiel so versehentlich beendet. Die Taste ist quasi aus der Gefahrenzone heraus geholt bzw. durch besagte Funktionstaste ersetzt worden, mit der sich die Doppelbelegungen auf den F-Tasten ansteuern lassen. So lassen sich die Grundfunktionen eines Mediaplayers bequem bedienen, ohne die Finger vom Keyboard zu nehmen.
Wer allerdings – wie ich – ein ganz Fauler ist und gerne Shortcuts benutzt, wird die Windowstaste schmerzlich vermissen. Das sollte man vor einem Kauf bedenken.

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Vielleicht ist es dem einen oder anderen schon auf den Bildern aufgefallen: Steelseries hat die 6gv2 mit einer eher unkonventionellen Tastenanordnung bedacht. So befindet sich die Ausbuchtung der Entertaste nicht wie gewohnt oben links, sondern stattdessen unten links. Außerdem nimmt dieser deutlich mehr Raum ein, so dass weniger Platz für die rechte Shifttaste bleibt und die #-Taste eine Zeile nach unten gerutscht ist.
Das empfinde ich persönlich als sehr gewöhnungsbedürftig. Gerade am Anfang habe ich mich oft verhauen bei der Großschreibung, weil ich die Shifttaste verfehlte.
Außerdem schaut man als Zehnfingerschreiber beim Tippen pausenlos auf den Bildschirm. Beim Hashtaggen jedoch musste ich immer einen kurzen Blick auf die Tastatur werfen. Denn bedient man die Shifttaste noch relativ häufig, so dass man sich rasch an diese Besonderheit gewöhnt, so will sich hier, bei einer eher selten frequentierten Taste, kaum ein Gewöhnungseffekt einstellen.

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Ich habe mich mehr als nur einmal gefragt: Warum zum Teufel macht man sowas?

Und dennoch: Diese kleinen Schatten schaffen es nicht, das große strahlende Licht der Unbesiegbarkeit, den die Tastatur umgibt, zu beeinträchtigen.

Das 6Gv2 ist ein Metallbrett, ein Arbeitstier. Es liegt bombenfest auf dem Schreibtisch und hält allem stand. Hab‘ ich schon erwähnt, dass es keine Aufstellfüßchen besitzt? In den Boden sind zwei Buckel gegossen worden, die diese zerbrechlichen Komponenten überflüssig machen. Der somit vorgegebene Anstellwinkel ist – passend zum Gesamtkonzept – perfekt gewählt. Zumindest für mich persönlich.

Steelseries 6Gv2 von unten

 

Bei aller Euphorie – man sollte die 6Gv2 vor einem Kauf Probe getippt haben. Fester Anstellwinkel, fehlende Windowstaste, straffe MX Blacks, ungewohnte Tastenanordnung um die Entertaste herum: Das sind Dinge, die man bedenken und für sich ausprobieren sollte.
Kurzum: Die 6Gv2 ist ein in Stahl gegossener Purist. Mit kleinen Macken, die man mögen muss. Aber wenn das der Fall ist, wird man einen Panzer von einem Freund für die Ewigkeit finden.


 

Dir gefällt, was ich schreibe? Dann solltest du mal einen Blick auf meine Bücher werfen: Veröffentlichungen

Lest auch meine anderen Artikel für Vielschreiber.

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Hardware unter der Lupe: Das Keyboard 4

Diesen Beitrag tippe ich auf einer Das Keyboard 4 Professional. Diese ist mit zwei verschiedenen Cherry Schaltern erhältlich: den MX Blue und den MX Brown. Letztere arbeiten in meiner Tastatur.

Das Keyboard 4 Professional - leider etwas unscharf. Bin halt ein Schreiber und kein Bildermacher. ;)

Meine Das Keyboard 4 Professional – leider etwas unscharf. Bin halt doch ein Schreiber und kein Bildermacher. 😉

Es gibt noch eine Ultimate-Version, deren Besonderheit die fehlende Tastenbeschriftung ist, was nach ein wenig Eingewöhnungszeit Tippgeschwindigkeit und Präzision erhöhen soll. Außerdem gibt es noch eine Ausführung für den Mac. Das finde ich schon mal eine ordentliche Angebotspalette.

Durch das Fehlen von roten und schwarzen Schaltern wird die Tastatur für einige Gamer uninteressant sein, und auch die fehlende Hintergrundbeleuchtung dürfte nicht jedem zusagen. Die erhält man bei anderen Anbietern schon für siebzig Euro weniger.

Der Verkaufspreis beläuft sich übrigens auf rund 170 Euro.

Was? Schreibt die Tastatur von selbst? Kocht sie nebenher Kaffee und massiert einem die Füße?

Nein, streng genommen hat sie noch weniger Features als viele Keyboards der Konkurrenz.

Aber was bitteschön ist dann so toll daran?

Das erfährt man in dem Moment, in dem man sie aus der schnöden Verpackung befreit: Es ist das Konzept. Man nimmt sie in die Hand, beäugt die über ein Kilo schwere Tastatur von allen Seiten und es beschleicht einen das Gefühl, einen Freund gefunden zu haben. Fast will man ihr einen Namen geben. Sie ist der Mustang der Autos, die Harley der Motorräder, der Punisher der Superhelden, sie ist mächtig cool, extrem hochwertig und so richtig, richtig BAD ASS.

Hintergrundbeleuchtung? Das ist war für Noobs. Guckst du auf den Bildschirm oder auf deine Finger?

Makrotasten? Die sind was für Faulenzer.

Stoffummanteltes USB-Kabel? Willst du schreiben, oder willst du mit dem Kabel kuscheln?

Und wo andere Tastaturen versuchen, sich mit Doppelbelegung via fn-Tasten in den Multimediasektor zu schummeln, da setzt Das Keyboard klare Zeichen. Oben rechts gibt es ein cooles, leicht zu bedienendes Lautstärkerad und die üblichen Playertasten. An der Rückseite zwei zukunftssichere USB 3.0 – Anschlüsse. Dann noch einen Mute-Knopf und einen für den Standby-Modus.

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klar definierter Multimediabereich

Dadurch, dass die Oberflächenplatte aus Alu und der Rest aus einem (Plastik-)Guß besteht, vibriert und knarrt nichts, so fest man auch auf die Tasten kloppt. Ihr wollt schreiben und nebenher Jemanden erschlagen? Kein Problem, denn diese Tastatur funktioniert mit Sicherheit auch nach Gewalteinwirkung noch. Wirklich ein Mordsbrett.

Schon mal vor lauter Wut mit der Faust auf die Tastatur geholzt? Wenn ja, dann wisst ihr, dass Standfüße nichts aushalten. Das wird mit diesem Gerät nicht passieren. Statt Standfüße wird eine robuste Leiste mitgeliefert, die via Magnete an die Unterseite geklippt wird, wenn man den Winkel erhöhen möchte. Diese Leiste dient gleichzeitig auch als Lineal. Warum auch immer.

Standleistenlineal

Standleistenlineal

Sehr lässig finde ich übrigens das zwei Meter lange Kabel. Das ist nicht nur verdammt dick (und somit bruchsicher), sondern es erlaubt mir auch ohne Umstände, die Tastatur auf dem Schoß zu parken, um im Halbliegen, die Beine auf dem Tisch, zu tippen.

Unangenehm fällt allerdings auf, dass die Buchstaben auf den Tasten nach ein paar Wochen dunkler werden. Ich will nicht sagen, dass sie abnutzen, aber nachdunkeln auf jeden Fall. Vor allem bei den Tasten, die häufig beansprucht werden, fällt das ins Auge.

im Vergleich: häufig und wenig genutzte Tasten

im Vergleich: häufig und wenig genutzte Tasten

Ich habe mir sagen lassen, dass dieses Phänomen bei gelaserten Beschriftungen normal sei, diese dafür aber eine halbe Ewigkeiten halten. Allerdings hatte meine 60 Euro teure Logitech Rubberdome-Tastatur das Manko nicht, meine Mecha von Cooler Master ebensowenig. Warum ausgerechnet krankt hier dieses Überkeyboard?

Bezeichnend ist jedoch, dass ich trotzdem bei der Tastatur hängen geblieben bin. Ich will mit nichts anderem mehr schreiben, als mit meiner Das Keyboard 4 Pro. Denn wie war das noch: Guckst du auf den Bildschirm oder auf deine Finger?

mechanische Tastaturen (Einführung)

Wer mal einen Spaziergang durch das Tastaturregal eines Elektrogroßmarkts gemacht hat, dem wird es aufgefallen sein: Die Unterschiede zwischen den einzelnen Geräten sind teilweise immens. Dinge wie Farbe und Design sind hierbei noch (größtenteils) Geschmackssache. Was aber vor allem auffällt, das sind die preislichen Unterschiede und die verschiedenen Formen und Ausstattungen. Das kann schon mal verwirrend sein.

Nun ist es so, dass die Tastatur das Gerät ist, das gerade bei Vielschreibern am meisten aushalten muss. Sie begleitet uns manchmal viele Jahre lang – da sollten wir schon ein paar Ansprüche stellen.

Generell gilt, dass man den preislichen Unterschied auch häufig in der Qualität der Tastatur merkt, meistens direkt beim Antesten. Es gibt aber neben der eigentlichen Bauqualität noch weitere Faktoren, die wir bei einem Kauf berücksichtigen sollten.

Zum Beispiel, auf welchen Tasten wir lieber schreiben. Der Trend geht seit Jahren zu immer flacheren Tasten, so dass es mittlerweile Tastaturen gibt, die komplett plan sind. Obwohl auch das unterm Strich schlicht Geschmacks- und Gewohnheitssache sein mag, kann ich mir vorstellen, dass die Fehlerquote bei den superflachen Tastaturen ansteigt, weil die Finger rein haptisch gesehen kaum noch Anhaltspunkte haben.

Nicht zu vernachlässigen ist die Frage nach der Größe einer Tastatur. Als Vielschreiber sollte man darauf achten, sich eine Tastatur mit normalem Tastenabstand zu holen. Ich kann da gut mitreden, denn ich musste eine Zeitlang gezwungenerweise auf einem Netbook schreiben, bei dem die Tastatur deutlich kleiner ausfällt. Ein paar meiner grauen Haare habe ich diesem Erlebnis zu verdanken.

Aber die Größe definiert sich nicht allein über den Abstand der Tasten zueinander und deren Maße, sondern auch über den Umfang der Tasten. So verzichten einige Tastaturen zum Beispiel auf den Ziffernblock. Diese Tastaturen werden als „tenkeyless“ bezeichnet. Aber bevor ich jedes Design einzeln beschreibe – in diesem Fall tun es wohl auch Bilder:

Fullsize Keyboard

Fullsize Keyboard

Tenkeys, no arrows

Ziffernblock mit doppelter Belegung (umschaltbar)

Ohne Ziffernblock

Ohne Ziffernblock

mini

60% Keyboard

Aber warum sollte man am Umfang sparen?

Einerseits ist das gewiss eine Frage des Platzes auf dem Schreibtisch. Es geht aber auch darum, dass die Maus näher an den Benutzer heranrückt. Macht mal den Test: Richtet die Tastatur vor euch so aus, dass das „B“ sich in der Horizontalen mittig zu eurem Körper befindet. Das ist die optimale Ausgangsposition zum Tippen. Und jetzt legt die Maus rechts neben die Tastatur, mit ausreichend Abstand, so dass ihr sie ohne Problem in alle Richtungen bewegen könnt. Ergonomisch ist anders, was?

Diese grundsätzliche Idee kommt wohl aus der Ecke der Computerspieler, denen wir ohnehin so einiges in der Entwicklung von hochwertigen Tastaturen zu verdanken haben (dazu später mehr). Gamer benutzen in der Regel beim Zocken die WASD- und die umliegenden Tasten, es stört sie also nicht, wenn die Tastatur ein wenig weiter links steht, damit die Maus näher heranrücken kann. Der „Switch“ vom Zocken zum vollwertigen Tippen zurück bedeutet dann aber, dass Maus und Mauspad nach rechts gezogen werden müssen, um die Tastatur wieder in eine optimale Position zu rücken.

Aber auch hier gilt: Geschmackssache. Und sicherlich stellt sich die Gegenfrage: Wenn ich schon so viel für eine Tastatur ausgebe, warum sollte ich dann auf Tasten verzichten?

Eine weitere Besonderheit stellen die ergonomischen Tastaturen dar, die je nach Modell unterschiedlich geschwungen sind. Hier einige Beispiele.

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Viele Tastaturen, die als Gamingkeyboards ausgewiesen sind, glänzen noch mit Makrotasten, Multimediatasten und manchmal sogar mit eigenen kleinen Bildschirmen. Da es sich hier aber um einen Vielschreiberartikel handelt, werde ich diese Art von Tastaturen nicht berücksichtigen, auch wenn der Grat zwischen Vielschreiber- und Gamingtastatur im höheren Preissegment irgendwann sehr dünn wird und schließlich völlig verschwindet.

Dazu kommen wir jetzt. Zu den Highend-Modellen. Zu der Crème-de-la-Crème. Zu einer technischen Revolution. Oder vielmehr einer »Retrolution«. Aber langsam. Erstmal zum besseren Verständnis hier ein paar wenige technische Details:

Früher gab es diese dicken, monströsen Tastaturen (meistens in beige) mit hohen Tasten, damals, in den Achtzigern. Die haben so richtig laut geklackert beim Schreiben. Seitdem hat sich einiges getan auf dem Tastaturenmarkt. Aber unsere Schreibgeräte sind nicht nur flacher geworden, sondern auch günstiger. Und das war nur möglich, in dem man eine andere, kostengünstigere Technologie entwickelte.

Früher wurde jede einzelne Taste als eigenständiges Signal an den Rechner gesendet, doch mit der neuen Technologie war es möglich, eine Art Matte unter die Tasten zu legen, die selbst dieses Signal an den Rechner sandte, und zwar immer dann, wenn die Matte ein Signal von einer Taste erhielt. Das hatte zwar zur Folge, dass nur noch ein Signal gleichzeitig beim Rechner ankam, aber das war erstmal egal. Die neue Technologie war flacher und günstiger und etablierte sich daher auch. Diese Tastaturen nennt man übrigens „Rubberdome-Tastaturen“.

Doch – und jetzt kommt wieder der Schwenk zu den Computerspielern – ist es nicht jedem Recht, wenn nur ein Signal beim Rechner ankommt. Vor allem für Gamer ist das unbefriedigend, weil manche Spiele unterschiedliche Befehle zur gleichen Zeit haben wollen, beziehungsweise dies einen entscheidenden Vorteil gegenüber den Gegnern bieten kann. Und das können diese neuen Rubberdome-Tastaturen nicht, oder nur eingeschränkt. Auch für Schreiber kann sich daraus der Effekt ergeben, dass zwischendurch ein Buchstabe verschluckt wird. Nämlich immer dann, wenn der Tippende ein wenig übereifrig in die Tasten haut und aus Versehen zwei Tasten zeitgleich erwischt. Dann kommt nur ein Buchstabe am Rechner an.

Darum werden seit ein paar Jahren wieder Tastaturen hergestellt, die nach dem alten „mechanischen“ Prinzip funktionieren. So kam es zu einem Revival der großen Tastaturen mit den dicken Tasten, auch gerne „Mechas“ genannt.

Natürlich fand das bei Gamern großen Anklang, und da wir es hier mit einer enthusiastischen Kundschaft zu tun haben, die auch bereit ist, Geld in hochwertiges Equipment zu investieren, kamen die Mechas wieder ins Gespräch und auf den Markt. Aber letztlich ist das nicht nur eine Frage von Technik und Gaming-Entwicklung, sondern auch – und hier geht es wieder ums Thema – des Schreibgefühls.

Es hat sich nämlich ergeben, dass es sich auf mechanischen Tastaturen deutlich präziser, ermüdungsfreier und mit einer geringeren Fehlerquote tippen lässt. Außerdem ist das reine „Tippgefühl“ deutlich angenehmer, weil die Rubberdome-Tastaturen dazu neigen, nach häufiger Benutzung „schwammig“ zu werden. Da dieser Effekt schleichend auftritt, fällt er den Schreibern häufig zunächst nicht auf. Meistens erst, wenn Ermüdungserscheinungen in Fingern und Handgelenken oder Schulterverspannungen auftreten. Ihr findet das übertrieben? Nun, nicht wenn man mehrere Stunden am Tag, sieben Tage die Woche schreibt. Dann wird sowas unter Umständen wichtig.

Zudem zeichnen sich mechanische Tastaturen durch eine deutlich höhere Haltbarkeit aus (Zum Vergleich: Rubberdomes halten ca. 5 Millionen Anschläge aus, Mechas hingegen um die 50 Millionen).

Aber die Sache hat ihren Preis. Meine teuerste Rubberdome hat 60 Euro gekostet. Meine günstigste mechanische Tastatur 80. Und für die Tastatur, die ich zuletzt gewonnen habe, hätte ich bei einem käuflichen Erwerb rund 170 Ocken hinblättern müssen.

Rechtfertigen die Vorteile einer mechanischen Tastatur diese Preise?

Um dieser Frage nachzugehen, müssen wir wieder ein wenig ins technische Detail gehen.

Im Gegensatz zur Rubberdome-Tastatur verfügt bei einer mechanischen Tastatur jede einzelne Taste über einen eigenen Schalter, auch Switch genannt. Was damit gemeint ist, seht ihr, wenn ihr von eurer Tastatur mal vorsichtig eine Taste abzieht. Wenn es sich um eine Rubberdome handelt (und das wird es aller Wahrscheinlichkeit nach, denn mechanische sind eher selten und wie gesagt sehr kostspielig in der Anschaffung), dann übernehme ich allerdings keine Haftung. 😉

Ich habe mal probehalber von meiner Rubberdome eine Taste abgezogen. Schaut her:

Rubberdome

Das ist der Gummi-Nupsi, der das Signal an die Matte weiterleitet, die es dann über den USB-Stecker an den Rechner schickt.

Bei einer mechanischen Tastatur sieht das folgendermaßen aus (hier von meiner Cooler Master Quickfire TK)

Cherry MX Blue Schalter

Nicht von dem kleinen, weißen Punkt irritieren lassen; das ist die LED der Hintergrundbeleuchtung. Bei einer mechanischen Tastatur wird jede Taste einzeln beleuchtet.

Ihr seht hier einen „blauen“ Switch der Firma Cherry. Da Cherry weltweit der etablierteste Schalterhersteller ist, und meines Wissens nach auf dem deutschen Markt andere derzeit nicht (oder nur mit erheblichem Aufwand) erhältlich sind, will ich mich auf die Cherry-Schalter beschränken. Die gibt es in unterschiedlichen Ausführungen, was uns Schreibern ein jeweils anderes Schreibgefühl verschafft:

Da wären einmal die eben gesehen blauen Schalter, die sog. Cherry MX Blue Switches. Schreiben wir mit einer Tastatur, unter deren Tasten diese Schalter verbaut sind, hören wir bei jedem Auslösen einer Taste ein leises, hochfrequentes Klickgeräusch, das uns akustisch signalisiert, dass der Befehl an den Rechner gesandt wurde. (Bei einer Rubberdome muss die Taste komplett durchgedrückt werden, hier jedoch reicht ungefähr die Hälfte des Weges. Es besteht also ein Unterschied zwischen dem reinen Auslösen einer Taste und dem kompletten Runterdrücken einer Taste. Letzteres ist eigentlich nicht von Nöten, passiert aber meistens zwangsläufig.) Zusätzlich zu dem Klickgeräusch müssen wir außerdem einen kleinen Widerstand überwinden, um die Taste auszulösen. Das ist dann ein sogenanntes taktiles Feedback, das uns der Schalter gibt. Der Vorteil dieser Schalter liegt auf der Hand: Der Zehnfingertipper schaut nicht auf die Tastatur, sondern auf den Bildschirm. Durch das Klickgeräusch und das taktile Feedback erfährt er trotzdem, dass, und vor allem wann, eine Taste ausgelöst wird. Wenn man sich an diesen Schalter gewöhnt hat, ermöglicht er einem ein deutlich schnelleres und fehlerfreieres Schreiben. Das kann ich durch eigene Erfahrungen bestätigen.

An dem Klickgeräusch scheiden sich übrigens die Geister. Für einen Großteil von Mecha-Nutzern ist es längst zum Kult geworden, ich habe aber auch schon mitbekommen, dass es als störend empfunden wird. Wer seinen Schreibtisch an der Wand stehen hat, an der sich auf der gegenüberliegenden Seite das Schlafzimmer des Nachbarn befindet, sollte also vielleicht zweimal über den Erwerb dieser Schalter nachdenken.

Wem das Klickgeräusch nicht zusagt, aber ein ähnliches Tippgefühl wünscht und auch Wert auf das taktile Feedback legt, der greift zu den braunen Schaltern, den Cherry MX Brown Switches. Diese gelten übrigens den Rubberdomes am ähnlichsten (aber auf keinen Fall gleich!! Zwei Ausrufezeichen!) und wird dadurch als „Einstiegsschalter“ empfohlen. Außerdem gilt er als Allrounder unter den Schaltern, weil man mit ihm hervorragend schreiben, aber genauso gut auch zocken kann.

Die Cherry MX Black Switches bieten kein Feedback beim Auslösen, und außerdem sind sie etwas schwergängiger als die blauen und die braunen. Das hat den Vorteil, dass man sich seltener vertippt, aber den Nachteil, dass man beim Tippen schneller ermüdet. Die schwarzen Schalter sind häufiger in Gaming-Tastaturen zu finden, finden aber auch bei so manchem Tipper Anklang.

Zuletzt gibt es noch die Cherry MX Red Switches (es gibt auch noch „clears“ und neuerdings „greens“, die sind aufgrund ihrer Seltenheit aber für diesen Artikel nicht von Relevanz). Die roten ähneln den schwarzen Schaltern, jedoch benötigen sie nicht so viel Kraft, um ausgelöst zu werden. Da diese Schalter als fehleranfällig beim Schreiben gelten, aber hervorragende Eigenschaften zum Zocken bieten, sind sie fast ausschließlich bei Gamern zu finden.

Was man nicht außer Acht lassen sollte (bei allen mechanischen Tastaturen), das ist der Geräuschpegel. Denn das Klicken der blauen Schalter ist nicht die einzige Geräuschquelle. Wer dazu neigt, etwas kräftiger in die Tasten zu hauen, der hämmert bei mechanischen Tastaturen eine hohle Plastikkappe frontal auf einen ebenen Untergrund. Das kann schon mal je nach Kraftaufwand ordentlich „Klacken“.

Wer noch ein wenig mehr über die Funktionsweise der Schalter erfahren möchte, dem empfehle ich folgende Artikel:

Theorie-Praxis-Guide von TomsHardware

Mechanical Keyboard Guide vom DAS Keyboard-Blog (englisch)

Wer mal gerne Probehören möchte, wird auf Youtube mit Soundvergleichstests nur so erschlagen. Das folgende Video empfinde ich als recht repräsentativ. Aber daran denken: Geräusche werden meist etwas verfälscht wiedergegeben.

Und jetzt wieder ein dickes ACHTUNG!

Das hier ist alles Theorie. Welcher Schalter einem am ehesten zusagt, kann man nur durch Ausprobieren herausfinden. Für einen ersten Eindruck reicht ein Besuch beim Elektrogroßhandel. In der Regel findet ihr die Mechas aber nicht bei den anderen Tastaturen, sondern beim Zocker-Equipment, irgendwo zwischen Mäusen und Kopfhörern. Und selbst hier gilt, dass sich manchmal erst nach einigen Stunden, wenn nicht gar nach Tagen, sagen lässt, was man favorisiert. So mancher Schreibnerd hat sich schon im Mecha-Dschungel verirrt, weil er bereits im Besitz vieler Tastaturen mit unterschiedlichen Schaltern ist, aber dennoch immer weiter nach der einen, nach der einzig wahren Tastatur sucht, nach der ultimativen Krone unter den Schöpfungen der Tippgeräte.

Ein weiteres nettes Feature der Mechas ist die Möglichkeit der individuellen Gestaltung. Die Tasten lassen sich einzeln, aber auch komplett als Set austauschen, je nach Belieben.

Auf www.wasdkeyboards.com

oder www.elitekeyboards.com

findet ihr beispielsweise eine reichhaltige Auswahl an sog. Keycaps, aber auch bei eBay und Amazon wird man inzwischen fündig.

Außerdem erhält man bei einem Kauf in dieser Preisklasse noch häufig andere nette Sachen, wie zum Beispiel mit Stoff ummantelte, besonders robuste USB-Kabel, Hintergrundbeleuchtungen (auch bald in RGB-Farben, was bedeutet, dass man jeder einzelnen Taste eine beliebige Farbe zuordnen kann) oder Gehäuse aus Aluminium oder oder oder. Wer will, kann ganze Monatsgehälter in Tastaturen investieren, insbesondere auf dem amerikanischen Markt ist das Modden von Mechas zu einer beliebten Freizeitbeschäftigung geworden.

Und? Rechtfertigt dies alles nun den Preis?

Das ist eine Entscheidung, die jeder für sich selbst treffen muss. Ich für meinen Teil will auf nichts anderem mehr schreiben als auf einer Mecha. Ich liebe es, die Füße auf den Schreibtisch zu legen, die Tastatur auf meinen Beinen zu parken und drauflos zu klicken und klackern. Womit ich jetzt sämtliche Ergonomie-Argumente in den Wind geschossen habe. 🙂

Hier noch ein paar Modelle, die ich für besonders erwähnenswert halte:

Cherry MX Board 3.0: Neuerdings bietet Cherry selbst auch Tastaturen mit den hauseigenen mechanischen Schaltern in Kombination mit flacheren Tasten an (was bis jetzt einmalig ist). Es gibt zwar keinen Schnickschnack, keine Beleuchtung, kein gar nichts, aber dafür gibt es die Tastatur mit allen gängigen Schaltern, und das zu moderaten Preisen von um die sechzig Euro.

DAS Keyboard Ultimate: Mit der „Ultimate“-Edition der dritten, aber auch der aktuellen vierten Version der Tastatur von DAS erhalten wir ein Schreibgerät mit unbeschrifteten Tasten. Klar, dass hier ein perfekt beherrschtes Zehnfingertippsystem Voraussetzung ist. Durch das erzwungene Blindschreiben soll es zu einer Erhöhung der Tippgeschwindigkeit kommen.

Ducky Shine 3 (Shine 4 soll bald erhältlich sein). Wer auf Lichtshows steht, greift zu dieser Tastatur. Ducky ist bekannt für seine hervorragend verarbeiteten Tastaturen, aber auch für ausufernde Lichteffekte. Ich bin gespannt, was die Entwickler von Ducky mit der RGB-Technik anstellen werden. Bestimmt nichts für Epileptiker.

In den folgenden Beiträgen wird es übrigens noch ein wenig detaillierter (wenn auch weniger umfangreich), denn ich werde euch ein paar Tastaturen näher vorstellen.

Bis dahin wünsche ich viel Spaß beim Probeklackern im Elektrofachhandel,

Sönke


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