Hardware unter der Lupe: Steelseries 6Gv2

Puristischer Stahl

Auf den ersten Blick ist die 6Gv2 ein gewöhnliches mechanisches Keyboard. Auf den zweiten Blick erkennt man: genau das ist das Besondere an dem Teil. Denn Steelseries hat die Perfektion im Puristischen gesucht. Aber hat der Hersteller von Peripheriegeräten sie auch gefunden?

Das herausstechende Merkmal zuerst:

Das 6Gv2 ist ein Brett von herausragender Qualität. Sie ist schwer, sie wirkt unendlich stabil (der Innenteil besteht aus Metall), und sie ist absolut passgenau verarbeitet worden. Da steht nirgends etwas über, es stört keine Kante, man sieht keine Schweißnähte, alles geht ineinander über, nahtlos, fehlerlos. Und sucht man noch so sehr nach einer Störung in dieser Perfektion, nach irgendetwas, das einen wenigstens ahnen lässt, dass das Gerät von Menschenhand, bzw. von einer von Menschenhand gemachten Maschine gemacht wurde – man findet es nicht. Die Verarbeitung ist perfekt. Punkt.

Genauso verhält es sich auch mit den verbauten Cherry MX Black – Schaltern.

Es lässt sich sehr straff und äußerst präzise auf ihnen tippen, aber man muss das Einfache mögen: Es gibt weder ein akustisches noch ein haptisches Feedback bei diesen Schaltertypen. Dafür darf man aber auch ruhig mit dem Vorschlaghammer auf den Tasten rumkloppen; die 6gv2 dürfte das mit einem müden Lächeln wegstecken.

Steelseries 6Gv2

Diese Tastatur ist wahrlich ein Panzer durch und durch. Schwer, unzerstörbar, tödlich.

Wenn man ein wenig genauer hinsieht, fallen dann aber doch ein paar Dinge auf, die von der Norm abweichen.

Steelseries versucht hier, das Prinzip, das sich schon seit Jahrzehnten bei Tastaturen bewährt, ihrem Anspruch entsprechend zu verbessern.
Da hätten wir einmal die fehlende linke Windowstaste. Statt ihr prangt dort das Firmenlogo, das hier als Funktionstaste dient. Der Gedanke dahinter ist, dass man beim Zocken nicht im Eifer des Gefechts aus Versehen die Windowstaste drückt und das Spiel so versehentlich beendet. Die Taste ist quasi aus der Gefahrenzone heraus geholt bzw. durch besagte Funktionstaste ersetzt worden, mit der sich die Doppelbelegungen auf den F-Tasten ansteuern lassen. So lassen sich die Grundfunktionen eines Mediaplayers bequem bedienen, ohne die Finger vom Keyboard zu nehmen.
Wer allerdings – wie ich – ein ganz Fauler ist und gerne Shortcuts benutzt, wird die Windowstaste schmerzlich vermissen. Das sollte man vor einem Kauf bedenken.

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Vielleicht ist es dem einen oder anderen schon auf den Bildern aufgefallen: Steelseries hat die 6gv2 mit einer eher unkonventionellen Tastenanordnung bedacht. So befindet sich die Ausbuchtung der Entertaste nicht wie gewohnt oben links, sondern stattdessen unten links. Außerdem nimmt dieser deutlich mehr Raum ein, so dass weniger Platz für die rechte Shifttaste bleibt und die #-Taste eine Zeile nach unten gerutscht ist.
Das empfinde ich persönlich als sehr gewöhnungsbedürftig. Gerade am Anfang habe ich mich oft verhauen bei der Großschreibung, weil ich die Shifttaste verfehlte.
Außerdem schaut man als Zehnfingerschreiber beim Tippen pausenlos auf den Bildschirm. Beim Hashtaggen jedoch musste ich immer einen kurzen Blick auf die Tastatur werfen. Denn bedient man die Shifttaste noch relativ häufig, so dass man sich rasch an diese Besonderheit gewöhnt, so will sich hier, bei einer eher selten frequentierten Taste, kaum ein Gewöhnungseffekt einstellen.

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Ich habe mich mehr als nur einmal gefragt: Warum zum Teufel macht man sowas?

Und dennoch: Diese kleinen Schatten schaffen es nicht, das große strahlende Licht der Unbesiegbarkeit, den die Tastatur umgibt, zu beeinträchtigen.

Das 6Gv2 ist ein Metallbrett, ein Arbeitstier. Es liegt bombenfest auf dem Schreibtisch und hält allem stand. Hab‘ ich schon erwähnt, dass es keine Aufstellfüßchen besitzt? In den Boden sind zwei Buckel gegossen worden, die diese zerbrechlichen Komponenten überflüssig machen. Der somit vorgegebene Anstellwinkel ist – passend zum Gesamtkonzept – perfekt gewählt. Zumindest für mich persönlich.

Steelseries 6Gv2 von unten

 

Bei aller Euphorie – man sollte die 6Gv2 vor einem Kauf Probe getippt haben. Fester Anstellwinkel, fehlende Windowstaste, straffe MX Blacks, ungewohnte Tastenanordnung um die Entertaste herum: Das sind Dinge, die man bedenken und für sich ausprobieren sollte.
Kurzum: Die 6Gv2 ist ein in Stahl gegossener Purist. Mit kleinen Macken, die man mögen muss. Aber wenn das der Fall ist, wird man einen Panzer von einem Freund für die Ewigkeit finden.


 

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