Software unter der Lupe: Scrivener

scrivener-logo

Wenn es um Schreibprogramme geht, die speziell auf die Bedürfnisse von Schriftsteller zugeschnitten sind, fallen meist mehrere Namen. Papyrus Autor zum Beispiel gehört mittlerweile zum Werkzeugkasten vieler Autoren, und das zurecht, denn der Umfang an Funktionen ist enorm.
Seit einiger Zeit drängt jedoch ein anderes Programm auf den Markt, das immer mal wieder Erwähnung findet. Zwar hauptsächlich im englischsprachigen Raum, aber seit ein paar Monaten gibt es die Software auch in deutscher Sprache, und sie findet zunehmend Zuspruch. Ein guter Grund, Scrivener mal unter die Lupe zu nehmen.

Scrivener

So sieht Scrivener aus; wobei sich am Layout einiges individualisieren lässt.

 

Was macht Scrivener anders?

Was bietet Scrivener der schreibenden Zunft, was Papyrus, Win Word, Ywriter und die vielen anderen, zum Teil sogar kostenlosen Schreibprogramme nicht bieten?  Und: Macht es überhaupt etwas besser?


(Eines vorweg: Wer das Programm selber testen möchte, kann das mit einer kostenlosen Probeversion machen. Diese bietet den gleichen Umfang wie die Vollversion, die Nutzung ist jedoch auf dreißig Tage beschränkt. Wohlbemerkt: nicht dreißig aufeinanderfolgende Tage, sondern reine Nutzungstage. Man kann also wirklich ganz in Ruhe testen.)


Um zu erklären, was Scrivener genau ist und was es im Einzelnen für uns Schreibende tun kann, ist es vielleicht hilfreich, sich vor Augen zu führen, wer die Zielgruppe ist. Denn eines ist klar: Wer ausschließlich kurze Texte verfasst, wie zum Beispiel übersichtliche Artikel oder Kurzgeschichten, der wird keinen Nutzen aus Scrivener ziehen.

Vielleicht wird er sich sogar ärgern, denn obwohl das Programm mittlerweile in deutscher Sprache erhältlich ist, sind es die implementierten Nachschlagewerke noch nicht alle. Wo also Papyrus‘ phänomenale Stärken liegen (auch wenn die Rechtschreibprüfung tadellos funktioniert, an die Qualitäten des Duden Korrekturs kommt sie nicht heran), krankt Scrivener (noch?). Das ist schade und für manche vielleicht auch ein K.O.-Kriterium. Was die Enttäuschung etwas schmälert, sind die im Programm eingebauten Direktverlinkungen zu Wikipedia, zur Dudenseite und zu Google. Eine Internetverbindung vorausgesetzt. Wer wie ich zwar hauptsächlich am heimischen Rechner tippt, aber auch gerne mal unterwegs am Laptop ohne Internetzugang, hat dann das Nachsehen.

Scriveners Stärken liegen woanders.
Wer an längeren Projekten und Manuskripten schreibt und dabei plottet, recherchiert, Informationen zusammen trägt, Datenbanken erstellt und Brainstormings schriftlich und projektbezogen festhält, stößt bei vielen Programmen schnell an die Grenzen der Übersichtlichkeit. Und hier kommt Scrivener ins Spiel. Ich schreibe derzeit an einem sehr umfangreichen Manuskript, und durch Scrivener kann ich absolut alles, was sich im Vorfeld und auch während des Schreibprozesses angesammelt hat, in einer einzigen Projektdatei speichern. Keine Ordner und Unterordner mehr, keine von Hand mühsam zusammengestellten Datenbanken mehr, keine Linksammlung im Browser zu diversen Themen und Googlemaps-Markierungen mit den Lokalitäten. Bei Scrivener ist alles an einem Ort, und das völlig homogen neben dem eigentlichen Text. Es ist so, wie man es sich als Schreiber wünscht: Der Text steht im Mittelpunkt, und rundherum befindet sich all das, was ich dafür brauche, und ich greife völlig intuitiv darauf zu, ohne den Arbeitsprozess zu unterbrechen.

Wie macht Scrivener das?

Der Bildschirm ist grundsätzlich in vier Bereiche eingeteilt.

Der wichtigste Bereich – der Text – befindet sich in der Mitte.

Srcivener_Textbereich

Das, worauf es wirklich ankommt, liegt bei Scrivener zentral.

Der Clou: Scrivener bietet eine Funktion, bei der man auf Klick nur noch den reinen Text auf dem Bildschirm sieht, sonst nichts, so dass Autor und Text ganz für sich alleine sind.

Scrivener_SchreibmodusSmall

Der Schreibmodus – ein Killer!

Es ist verblüffend, wie durch so eine simple Funktion die Produktivität gesteigert wird. Man sieht keine Uhr, die einen zur Eile drängt. Kein Browser, der einen zum Facebooken verleiten will, keine anderen Programme, die einen irgendwie ablenken wollen. Keine Notizzettel, Dokumentenstruktur, Recherchematerial. Alles weg. Und dann passiert etwas Eigenartiges: Komme ich an eine Stelle, an der ich normalerweise noch mal Google bemühen würde, weil ich mir zum Beispiel bei einer Schreibweise oder einem technischen Detail unsicher bin, und somit Gefahr laufe, mich in den Weiten des Internets zu verlieren, mache ich etwas anderes: Ich kennzeichne mir die Stelle zur Überarbeitung (wer es genau wissen will: Ich schreibe Recherche oder ??? hinter die entsprechende Stelle). Und dann schreibe ich einfach weiter und weiter und weiter. Und ich werde durch absolut nichts aus dem Schreibfluss gerissen. Ich schreibe dann so lange, bis ich meine, dass alles zu einer Szene gesagt ist. Das hat auch meine Art und Weise, wie ich mich ausdrücke und formuliere nachhaltig beeinflusst. Wie ich finde, zum Positiven.

Wenn dieser Modus nicht aktiv ist, stehen uns die üblichen Textformationen am oberen Rand zu verfügen, von der Schriftart bis hin zur Ausrichtung ist alles dabei.

Der obere Bereich

Am oberen Bildschirmrand finden wir die einzelnen Menüpunkte wie bei jedem Programm, darunter eine Leiste, auf der wir die am häufigst von uns benutzten Funktionen parken können. Das ist auch bei anderen Programmen Standard und wird von Scrivener grafisch hübsch umgesetzt. Und überhaupt kommt das Programm im Gegensatz zu so manchem Konkurrenzprogramm recht augenschmeichelnd daher.

Scrivener_obererBereich

Die Menü- und darunter die Symbolleiste

Der linke Bereich

Links auf dem Bildschirm, wo sich bei anderen Programmen häufig die Dokumentstruktur befindet, ist bei Scrivener gleich die komplette Projektstruktur hinterlegt. Das ist das eigentliche Herzstück des Programms.

Scrivener_linkerBereich

Das Herzstück von Scrivener

Hier können wir neben einzelnen Textdokumenten (die späteren Kapitel), die wir beliebig hin- und herschieben können, auch Datenblätter für Protagonisten anlegen (eine entsprechende Vorlage ist bereits dabei), oder auch welche für Örtlichkeiten und Gegenstände (wofür es ebenfalls Vorlagen gibt) oder irgendetwas anderes, sofern wir es brauchen. Unserer Kreativität sind keine Grenzen gesetzt. Wir schreiben einen Fantasyroman mit eigenem Magiesystem und Zaubern? Machen wir uns doch ein Zauberbuch, in dem wir die einzelnen Sprüche mit den jeweiligen Auswirkungen hinterlegen. Oder wie wäre es mit einem eigenen Ordner für technische Errungenschaften in einem Science Fiction-Roman? Ein Monsterkompendium? Alles ist möglich. So habe ich mir eigens einen Brainstorming-Ordner angelegt und den jeweiligen Ideen ein eigenes Datenblatt zugeteilt. Dann habe ich einen Bilderordner, denn auch das geht so einfach, wie man es sich nur vorstellen kann: Während meiner Recherche habe ich vor Ort Fotos geschossen und die dann einfach per Drag & Drop in Scrivener reingezogen. Das geht übrigens auch mit allen anderen Bildern, die man zum Beispiel im Internet findet (sogar mit ganzen Internetseiten). Das ist auch interessant für die Protagonistendatenbank (Porträts) oder für eine, in der Gegenstände hinterlegt sind oder Orte, die man nicht selbst bereist hat. Auch hier: Screenshot bei Google Maps machen und einfach in Scrivener rüberziehen. Schon hat man von allen Handlungsorten eine geographische Übersicht.

Scrivener_Maps

Ein Screenshot von Google Maps als Bilddatei hinterlegt. Per Klick zur Verfügung, ganz ohne erst den Webbrowser und dann den Link zu öffnen

Wie gesagt lässt sich mit diesem Tool so ziemlich alles realisieren, was man nur möchte. Mit einer Symbolsammlung und individuellen Farbgestaltung und unterschiedlichen Statuszuteilungen (z.B. First Draft, To Do, Final Draft) lassen sich all diese Dinge bis zum Gehtnichtmehr dem persönlichen Geschmack und eigenen Verständnis von Ordnung individualisieren.
Und anschließend hat man mit nur einem Klick Zugriff auf all diese Informationen. Alles an einer Stelle, direkt neben dem Text. Mehr Übersichtlichkeit und Effizienz geht nicht.

Die Pinnwand

Doch wir können noch mehr machen mit Scrivener. Ist die linke Seite im Grunde genommen nach der klassischen Baumstruktur aufgebaut, haben wir noch auf einem anderen Weg Zugriff auf unsere Daten. Wählen wir den jeweiligen Hauptordner an, wie z.B. das Hauptmanuskript, oder „Protagonisten“ oder „Orte“, verschwindet der Text in der Mitte und macht einer Korkwand platz

Scrivener_Pinnwand

Die bisherigen Kapitel in der Pinnwand – Übersicht

Auf diese sind sämtliche Datensätze, die wir im Ordner angelegt haben, geheftet. Hier können wir diesen Datensätzen (z.B. Kapiteln, Protagonisten, Orten usw.) Kurzbeschreibungen verpassen und sie nach Belieben in der Reihenfolge verschieben. Wir können Farben verändern, oder den Status. Und vieles mehr.

Scrivener_Pinnwand2

Meine Recherchefotos auf der Pinnwand.

 

Der rechte Bereich

Verlassen wir die Korkwand aber wieder und kehren zum Text zurück. Der rechte Bereich enthält die Zusatzinformationen der jeweiligen Datei, die wir gerade geöffnet haben. Bei einem Kapitel wären das zum Beispiel Status (To Do, First Draft …), Farbe (ich zum Beispiel markiere mir unterschiedliche Zeitstränge mit anderen Farben), eine Kurzinfo, Zusammenfassung oder Notizen, die wir angelegt haben. Aber auch Bilder, die wir hinterlegt haben. Und auch hier können wir das wieder alles editieren. Außerdem können wir uns hier Projektnotizen anzeigen lassen, oder Schlüsselwörter und Metadaten, Kommentare und Fußnoten.

Scrivener_rechterBereich

Wie jeden Bereich auch, kann man diesen hier nach Belieben ein- und ausblenden. Und die Größe anpassen.

Kurzum: Bei Scrivener lässt sich viel einstellen. Aber dadurch wird es nicht unübersichtlich. Denn diese Einstellungs- und Eingabemöglichkeiten stehen uns an vielen Stellen des Programms zur Verfügung, so dass wir nicht danach suchen müssen. Vieles passiert bei Scrivener intuitiv, damit wir uns auf den Text konzentrieren können. Scrivener versteht sich als Assistent, der uns das Drumherum abnimmt und für Ordnung und Übersicht sorgt. Und sich zurückzieht, wenn er nicht gebraucht wird, um uns nicht zu stören.
Ergänzt wird das Ganze durch viele nützliche Zusatzfunktionen, wie verschiedene Ausgabeformate (z.B. als Normseite) auf Knopfdruck und diverse statistische Anzeigen. Für mich, der seit vielen Jahren mit einem zu erfüllenden Tagespensum arbeitet, ist zum Beispiel folgende Funktion sehr hilfreich: „Projekt Ziele“ zeigt mir auf Klick an, wie viele Wörter ich während der laufenden Sitzung geschrieben habe, und wie viel mir bis zum Tagespensum noch fehlen (oder wie viele ich drüber bin). Wenn ich einer der Autoren wäre, die schon im Vorfeld wissen, wie viele Wörter das Projekt am Ende haben soll, könnte ich zusätzlich ein Gesamtziel eintragen und bekomme sowohl als Zahl als auch als grafischen Strahl angezeigt, wie weit ich noch von diesem Ziel entfernt bin. Ganz hilfreich auch für Kurzgeschichten und Wettbewerbe, bei denen es Vorgaben für die Textlänge gibt.

 

Persönliches Fazit

Ich schreibe die Rohfassung meiner Manuskripte jetzt mit Scrivener. Und zwar so weit, bis ich mir sicher bin, dass sich an der inneren Struktur des Textes nicht mehr viel ändern wird. Erst dann erfolgt der Feinschliff des Textes in Papyrus Autor. Und natürlich in vielen, vielen Überarbeitungen per Hand, denn das kann einem kein Programm der Welt abnehmen: Text ausdrucken, aufs Sofa hauen oder raus in die Sonne und dort mit einem Stift völlig oldschool auf Fehler- und Textschwächensuche gehen.
So mache ich es. Jeder macht es anders. Aber ich empfehle jedem, der sich ein wenig mehr Übersichtlichkeit in seinen Projekten wünscht, oder der glaubt, sein Workflow könnte noch Optimierung vertragen, mal einen Blick auf Scrivener zu werfen.
Den Preis von rund vierzig Euro empfinde ich dabei, gemessen am Umfang, übrigens als recht günstig. Wer täglich schreibt, investiert gerne ein paar Mücken in eine Optimierung.

 


Alle hier abgebildeten Screenshots stammen aus dem Manuskript, an dem ich aktuell schreibe.


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Hardware unter der Lupe: Cherry MX Board 3.0

Ist Cherry tatsächlich Meister seines Fachs?

Die Firma Cherry stellt neben den MX-Tastenschaltern, die in den meisten mechanischen Tastaturen verbaut sind, auch Tastaturen als solche her. Diese Keyboards sind aber nicht nur in der Industrie zu finden, zum Beispiel in Büros und Krankenhäusern (wo u.a. ihre Tastaturen mit integrierten Kartenlesegeräten zum Einsatz kommen), sondern auch bei Vielschreibern und versierten Gamern liegen sie auf dem Schreibtisch. Denn wer sollte die Kunst, ein mechanisches Keyboard herzustellen, besser beherrschen als die Firma, welche die etabliertesten Tastenschalter dafür herstellt?

Das MX Board 3.0

Cherry MX Board 3.0

An dieser Stelle vielen Dank an Cherry für das Bereitstellen eines Testexemplars mit den von mir präferierten braunen Switches.

 

Das MX Board 3.0 ist nach Wunsch mit blauen, braunen, schwarzen und roten Schaltern erhältlich. Wo die Unterschiede liegen, könnt ihr hier nachlesen.

Zwei Aspekte, die ganz besonders hervorstechen

Zum einen bietet Cherry das Board im unteren Preissegmet an, aktuell ist es für rund 60 Euro zu haben. Günstiger geht es bei mechanischen Tastaturen kaum. Somit ist es im Moment das Einsteigermodell schlechthin.

Des Weiteren fällt beim ersten Blick auf, dass die Produktreihe als Einzige ihrer Art mit flachen Tastenkappen daherkommt. Wer also überlegt, sich eine mechanische Tastatur zuzulegen, aber von der enormen Tastenhöhe abgeschreckt ist, kann hier relativ kostengünstig in die Welt der Mechas reinschnuppern, ohne sich zumindest optisch großartig umgewöhnen zu müssen.

Flache Tasten, das gibt es nur bei der Mecha von Cherry.

Flache Tasten – das gibt es nur bei den Mechas von Cherry.

Doch damit gibt man sich bei Cherry nicht zufrieden.

Obendrein ist das Gesamtkonzept der Tastatur äußert ausgewogen und lässt auch für Profis kaum Wünsche offen. Was man bei diesem Preis natürlich nicht erwarten darf, ist eine Hintergrundbeleuchtung. Auch einen USB- oder Kopfhöreranschluss gibt es nicht. Dafür aber alle anderen Features, die sich bei anderen Modellen bisher bewährt und als sehr nützlich erwiesen haben.

Zum einen wäre da das USB-Kabel, das man an der Tastatur selbst abkoppeln kann. Das erleichtert den Auf- und Abbau ungemein und im Falle eines Transportes lässt sich das Keyboard dadurch besser verstauen. Und bei einem Kabelbruch braucht nicht direkt eine komplett neue Tastatur her.

Praktisch: Das USB-Kabel lässt sich von der Tastatur selbst trennen.

Praktisch: Das USB-Kabel lässt sich von der Tastatur selbst trennen.

Außerdem: Alle Tasten sind an seinem gewohnten Platz. Wie ich ja inzwischen weiß, ist das nicht unbedingt bei allen Tastaturen so, deswegen erwähne ich es. Ergänzt wird dieser Standard durch zusätzliche Tasten, die sich völlig homogen in das Design einfügen, und zwar am rechten oberen Rand. Eine für lauter, eine für leiser, eine für stumm. Und die Letzte, bei der es sich um einen Home-Button handelt (für den Browser), und die bei gedrückter Strg-Taste in zweiter Funktion auch als An- und Ausschalter der Windowstaste dient, was vor allem für Gamer interessant sein dürfte. Ob die Windowstasten ein-, bzw. ausgeschaltet sind, zeigt ein kleines grünes Licht an selbigen an.

Apropos Licht: Am oberen Rand, direkt an der Stelle, wo rückwärtig das USB-Kabel angestöpselt wird, befindet sich das Firmenlogo, das weiß leuchtet, wenn der Rechner eingeschaltet ist.

Die Tastatur steht sicher auf großen Gummimatten. Wenn die Standfüße also nicht ausgeklappt sind, ist es sogar mit blanker Absicht geradezu unmöglich, die Tastatur zu verrücken.

Sind die Standfüße allerdings ausgeklappt, verliert die ganze Geschichte deutlich an Rutschfestigkeit. Aber nur, wenn man es drauf anlegt. Selbst wer beim Tippen mit Schmackes in die Tasten haut oder während eines Videogames zu hart auf die Tube drückt, dem wird das Board nicht verrutschen.

Da rutscht nix, wenn die Füße eingeklappt sind.

Da rutscht nix, wenn die Füße eingeklappt sind.

Aber wie tippt es sich denn nun auf einer mechanischen Tastatur mit flachen Tasten?

Streng genommen wie auf einer mit hohen – logischerweise. Schließlich bedienen wir Tastaturen von oben, weswegen die Höhe an sich erst mal keine Rolle spielt. Berücksichtigen sollte man vielleicht, dass man bei längeren Schreibsessions auf einer hohen Tastatur jedoch eher dazu neigt, in eine Handballenauflage zu investieren. Hier geht es auch ohne. Wer allerdings nicht drauf verzichten mag, der bekommt für einen Aufpreis eine speziell auf das Board zugeschnittene Auflage mitgeliefert. Da mir diese jedoch nicht vorliegt, kann ich dazu keine Aussage treffen.

Und auch ohne Auflage tippt es sich erhaben auf dem MX Board 3.0. Man spürt die Qualität der Tastatur bei jedem einzelnen Anschlag. Sie ist zwar aufgrund Preis und Konzeption ein typisches Einsteigermodell, aber auch weitaus mehr als das. Aufbau, Design und Konzept – in vielen Bereichen ist das Board schlicht besser als die (teurere) Konkurrenz. Cherry beweist hiermit eindrucksvoll, dass die Firma, die Tastenschalter für mechanische Tastaturen herstellt, auch die Firma ist, die die Kunst der Herstellung einer mechanischen Tastatur perfekt beherrscht.

Und für diejenigen, die begeistert von dem MX Board 3.0 sind, aber gerne auch ein paar Euro mehr ausgeben, um noch mehr Luxus zu erhalten, hält Cherry ein spezielles Exemplar bereit: das MX Board 6.0. Mit Metallgehäuse, magnetischer Handballenauflage, Hintergrundbeleuchtung und einer Technologie, die die Tastatur noch schneller machen soll.


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Hardware unter der Lupe: Steelseries 6Gv2

Puristischer Stahl

Auf den ersten Blick ist die 6Gv2 ein gewöhnliches mechanisches Keyboard. Auf den zweiten Blick erkennt man: genau das ist das Besondere an dem Teil. Denn Steelseries hat die Perfektion im Puristischen gesucht. Aber hat der Hersteller von Peripheriegeräten sie auch gefunden?

Das herausstechende Merkmal zuerst:

Das 6Gv2 ist ein Brett von herausragender Qualität. Sie ist schwer, sie wirkt unendlich stabil (der Innenteil besteht aus Metall), und sie ist absolut passgenau verarbeitet worden. Da steht nirgends etwas über, es stört keine Kante, man sieht keine Schweißnähte, alles geht ineinander über, nahtlos, fehlerlos. Und sucht man noch so sehr nach einer Störung in dieser Perfektion, nach irgendetwas, das einen wenigstens ahnen lässt, dass das Gerät von Menschenhand, bzw. von einer von Menschenhand gemachten Maschine gemacht wurde – man findet es nicht. Die Verarbeitung ist perfekt. Punkt.

Genauso verhält es sich auch mit den verbauten Cherry MX Black – Schaltern.

Es lässt sich sehr straff und äußerst präzise auf ihnen tippen, aber man muss das Einfache mögen: Es gibt weder ein akustisches noch ein haptisches Feedback bei diesen Schaltertypen. Dafür darf man aber auch ruhig mit dem Vorschlaghammer auf den Tasten rumkloppen; die 6gv2 dürfte das mit einem müden Lächeln wegstecken.

Steelseries 6Gv2

Diese Tastatur ist wahrlich ein Panzer durch und durch. Schwer, unzerstörbar, tödlich.

Wenn man ein wenig genauer hinsieht, fallen dann aber doch ein paar Dinge auf, die von der Norm abweichen.

Steelseries versucht hier, das Prinzip, das sich schon seit Jahrzehnten bei Tastaturen bewährt, ihrem Anspruch entsprechend zu verbessern.
Da hätten wir einmal die fehlende linke Windowstaste. Statt ihr prangt dort das Firmenlogo, das hier als Funktionstaste dient. Der Gedanke dahinter ist, dass man beim Zocken nicht im Eifer des Gefechts aus Versehen die Windowstaste drückt und das Spiel so versehentlich beendet. Die Taste ist quasi aus der Gefahrenzone heraus geholt bzw. durch besagte Funktionstaste ersetzt worden, mit der sich die Doppelbelegungen auf den F-Tasten ansteuern lassen. So lassen sich die Grundfunktionen eines Mediaplayers bequem bedienen, ohne die Finger vom Keyboard zu nehmen.
Wer allerdings – wie ich – ein ganz Fauler ist und gerne Shortcuts benutzt, wird die Windowstaste schmerzlich vermissen. Das sollte man vor einem Kauf bedenken.

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Vielleicht ist es dem einen oder anderen schon auf den Bildern aufgefallen: Steelseries hat die 6gv2 mit einer eher unkonventionellen Tastenanordnung bedacht. So befindet sich die Ausbuchtung der Entertaste nicht wie gewohnt oben links, sondern stattdessen unten links. Außerdem nimmt dieser deutlich mehr Raum ein, so dass weniger Platz für die rechte Shifttaste bleibt und die #-Taste eine Zeile nach unten gerutscht ist.
Das empfinde ich persönlich als sehr gewöhnungsbedürftig. Gerade am Anfang habe ich mich oft verhauen bei der Großschreibung, weil ich die Shifttaste verfehlte.
Außerdem schaut man als Zehnfingerschreiber beim Tippen pausenlos auf den Bildschirm. Beim Hashtaggen jedoch musste ich immer einen kurzen Blick auf die Tastatur werfen. Denn bedient man die Shifttaste noch relativ häufig, so dass man sich rasch an diese Besonderheit gewöhnt, so will sich hier, bei einer eher selten frequentierten Taste, kaum ein Gewöhnungseffekt einstellen.

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Ich habe mich mehr als nur einmal gefragt: Warum zum Teufel macht man sowas?

Und dennoch: Diese kleinen Schatten schaffen es nicht, das große strahlende Licht der Unbesiegbarkeit, den die Tastatur umgibt, zu beeinträchtigen.

Das 6Gv2 ist ein Metallbrett, ein Arbeitstier. Es liegt bombenfest auf dem Schreibtisch und hält allem stand. Hab‘ ich schon erwähnt, dass es keine Aufstellfüßchen besitzt? In den Boden sind zwei Buckel gegossen worden, die diese zerbrechlichen Komponenten überflüssig machen. Der somit vorgegebene Anstellwinkel ist – passend zum Gesamtkonzept – perfekt gewählt. Zumindest für mich persönlich.

Steelseries 6Gv2 von unten

 

Bei aller Euphorie – man sollte die 6Gv2 vor einem Kauf Probe getippt haben. Fester Anstellwinkel, fehlende Windowstaste, straffe MX Blacks, ungewohnte Tastenanordnung um die Entertaste herum: Das sind Dinge, die man bedenken und für sich ausprobieren sollte.
Kurzum: Die 6Gv2 ist ein in Stahl gegossener Purist. Mit kleinen Macken, die man mögen muss. Aber wenn das der Fall ist, wird man einen Panzer von einem Freund für die Ewigkeit finden.


 

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Hardware unter der Lupe: Cooler Master Quickfire TK

Innovation oder Rohrkrepierer?

Die Cooler Master Quickfire TK kommt mit einer innovativ anmutenden Idee daher, um Platz auf dem Schreibtisch zu schaffen: Sie lässt den mittleren Tastenblock (den mit den Pfeiltasten und mit Einfg, Entf, Druck usw.) weg, beziehungsweise integriert diesen als umschaltbare Funktionstasten in den rechten Tastenblock (der mit den Zahlen). Aber funktioniert das auch in der Praxis?

Hier erstmal ein paar Daten zur Quickfire TK:

Es ist eine mechanische Tastatur, die nach Wunsch mit blauen, braunen und roten Cherry MX-Schaltern erhältlich ist (im Test befindet sich die Variante mit blauen Schaltern).

Sie hat eine Hintergrundsbeleuchtung, die je nach Modell farblich variiert. Bei dem Modell mit blauen Cherry MX-Schaltern ist sie blau, bei dem Modell mit braunen Schaltern weiß und bei dem mit roten Schaltern leuchtet sie passenderweise rot.

Dabei verfügt sie über mehrere Beleuchtungsmodi und -stärken:

Quickfire TK WASD

In diesem Lichtmodus sind nur die WASD – und die Pfeiltasten beleuchtet. Eindeutig für die Gamer gedacht.

Quickfire TK - Vollbeleuchtung schwach

Vollbeleuchtung bei geringster Lichtstärke. Mächtig cool.

Quickfire TK Vollbeleuchtung max

Vollbeleuchtung mit maximaler Lichtstärke. Erblindungsgefahr.

Der dritte Modus lässt sich in Bilder nicht darstellen, da die Tasten an- und abschwellend leuchten, von geringster zu vollster Beleuchtungsstärke und wieder zurück. Nett anzusehen, in der Praxis aber eher störend.

Das Gehäuse macht einen sehr robusten Eindruck, da knarzt nichts, und einen Sturz sollte das Gerät mit einem müden Gähnen wegstecken (habe ich aber nicht ausprobiert).

Die ausklappbaren Standfüße sind gummiert, so dass die Tastatur auch bei ernergischer Bedienung nicht über den Schreibtisch rutscht.

Die F-Tasten sind doppelt belegt, wobei man die zweiten Funktionen mit der bei Laptops üblichen fn-Taste ansteuert. So kann man hier zum Beispiel die Beleuchtung der Tastatur einstellen, oder den Mediaplayer bedienen. Außerdem gibt es noch eine Taste, die die Windowstaste sperrt, worüber sich vor allem Gamer freuen sollten, da so mitten im Gefecht ein versehentliches Drücken der Taste vermieden werden kann.

Das USB-Kabel ist stoffummantelt und lässt sich an der Tastatur selbst abziehen. Außerdem verfügt die Rückseite über mehrere Führungskanäle, die es erlauben, das Kabel auf der gewünschten Seite aus der Tastatur laufen zu lassen.

Quickfire TK Rückseite

Aber wie funktioniert das nun mit der doppelten Belegung des Zahlenblocks?

Ist die Num-Taste nicht aktiviert, können wir wie gewohnt den Zahlenblock benutzen. Ist Num jedoch eingeschaltet, kommen wir an die zweiten Funktionen heran: Die Pfeiltasten, Entf, Einfg, Pos1, Ende, Druck usw. Also quasi an den fehlenden Tastenblock.

Quickfire TK Zahlenblocl

Der kombinierte Tastenblock

 

Wie gut klappt das in der Praxis?

Erstmal muss man sich an die Anordnung der Tasten gewöhnen, insbesondere die Entf-Taste befindet sich nicht exakt an der Stelle, wo sie auf Standard-Tastaturen zu finden ist, sondern ein wenig tiefer. Das führt anfangs dazu, dass man sich oft verhaut und statt Entf zum Beispiel Einfg erwischt. Hat man sich daran gewöhnt, kommt es dennoch zu dem Phänomen, dass man das Gefühl hat, dass immer genau die Tasten aktiviert sind, die man gerade nicht braucht. Im Schreibfluss merkt man sich nämlich nicht, ob die Num-Taste nun beim letzten Benutzen des Blocks aktiviert oder deaktiviert war. Somit erwischt man schon ab und zu die falsche Taste (sagen wir, wir wollten etwas mit Entf löschen. Heraus kommt aber 4.), kann seinen Fehler aber nicht direkt korrigieren. Denn jetzt müssen wir erstmal Num drücken. Und dann zweimal Entf drücken (die 4 wieder weg und dann das, was wir ursprünglich löschen wollten). Kurze Zeit später will man die 9 drücken. Bekommt aber durch die vorangegangene Aktion die Funktion der Taste Bild hoch. Und nun kommt man natürlich völlig raus.

Ich habe es letztlich nicht geschafft, mich in diese Funktion einzufinden. Was sehr schade ist, denn ansonsten ist die Quickfire eine wirklich hervorragende Tastatur zu einem recht erschwinglichen Preis (für eine mechanische Tastatur) von derzeit rund 80 Euro.

Aber da gibt es noch etwas, das mich gestört hat:

Die fn-Taste ist mit einer Einrastfunktion versehen. Wenn man sie ein paar Sekunden am Stück drückt, bleibt sie aktiviert. Was das in der Praxis bedeutet:

Angenommen, ich möchte die Lautstärke regulieren. Dafür muss ich die fn-Taste und F10 drücken. Die Lautstärke sinkt zwar, aber da es natürlich etwas dauern kann, bis ich die gewünschte Lautstärke erreicht habe, aktiviere ich zudem versehentlich die Einrastfunktion der fn-Taste. Nun möchte ich gerne das aktuell geöffnete Programm schließen. Ich drücke also Alt und F4 zusammen. Und ändere den Lichtmodus der Tastatur, was ich gar nicht wollte.

Bei allem Komfort, aller Stabilität, schicker Beleuchtung und toller Tastenschalter – die gestiegene Fehlerquote rechtfertigt nicht die Platzersparnis, die man durch die Doppelbelegung erhält.

Auch wenn ich sonst von der Verarbeitung und Qualität der Quickfire TK sehr angetan bin, mit dem doppelt belegten Zahlenblock und der einrastenden fn-Taste bin ich nicht zurecht gekommen. Ich kann mir zwar durchaus vorstellen, dass ein Gamer mit einem kleinen Schreibtisch viel Spaß mit dieser Tastatur haben könnte, für Vielschreiber ist sie allerdings definitiv nichts.

(Zum Glück gibt es aber auch ein Modell der Tastatur ohne dem „TK“ hinten dran, das alle Tasten dort sitzen hat, wo sie hingehören.)

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Software unter der Lupe: Papyrus Autor

Papyrus Autor

Wie gut ist Papyrus Autor wirklich?

Um dieser Frage nachzugehen, muss sich jeder Schreiberling, bzw. jede Schreiberine darüber im Klaren sein, was er oder sie von einer Schreibsoftware erwartet.

Text in Form bringen und gliedern, Seitenformate anpassen und in unterschiedliche Datentypen speichern – das hat fast jedes Programm drauf. Wenn ich also der Überzeugung bin, dass meine Schreibe keiner Nachbesserung oder Unterstützung bedarf, dann genügen die gängigen Programme wie WinWord oder LibreOffice. Eigentlich reicht dann sogar Wordpad.

Möchte ich allerdings, dass mir die Software ein wenig unter die Arme greift, mir beim Strukturieren des Textes hilft, Zeit erspart und auf Fehler aufmerksam macht (vielleicht sogar auf stilistische Ungereimtheiten) und mir das Leben als Vielschreiber von belletristischen Texten ganz allgemein erleichtert, dann benötige ich ein wenig mehr. Dann macht es Sinn, sich über die Anschaffung über ein speziell für Schriftsteller zugeschnittenes Programm nachzudenken. Davon gibt es gleich mehrere.

Was hat Papyrus Autor zu bieten?

Das lässt sich ganz klar auf einen Haufen Funktionen herunterbrechen, die andere Schreibprogramme nicht haben, oder vielleicht in einer Form, die unkomfortabel erscheint für jemanden, der eigentlich nur eine Geschichte schreiben möchte. Denn LibreOffice und WinWord sind für eine breitere Kundschaft, die unterschiedliche Anforderungen haben, konzipiert. Sie übernehmen also Aufgaben auf mehreren Ebenen, Papyrus Autor hingegen konzentriert sich mit seinem Umfang voll und ganz auf Autoren von Geschichten.

Doch was genau sind diese Funktionen?

Fangen wir an mit den Kleinigkeiten, die man nie wieder missen möchte:

Die Normseitenformatierung

Ihr habt unter euren Text das Wort ENDE geschrieben, und jetzt soll er veröffentlicht, bzw. Verlagen angeboten werden. Dafür braucht der Text ein bestimmtes Format, ohne das in der Verlagswelt nichts geht: die Normseite. Bei Papyrus müsst ihr dafür keine Schrifttypen und -größen anpassen, Zeilenabstände und Seitenränder einstellen. Es reicht der Klick auf den entsprechenden Button und schon habt ihr den Text im Normseitenformat.

Speichern als PDF-Datei

Das Gleiche gilt auch hier: Klickt auf den entsprechenden Knopf und schon habt ihr euren Text als PDF-Datei gespeichert.

Der Textmarker

Ihr wollt einen Text markieren, weil ihr später noch mal daran arbeiten wollt, oder weil er eine Schlüsselszene darstellt, oder weil ihr ihn besonders gut gelungen findet oder oder oder … kein Problem: Text markieren, Klick auf Textmarkerbutton (Farbe individuell einstellbar) und fertig.

Die Notizzettel

Ihr wollt euch eine Notiz zu einem Satz, Absatz oder bestimmten Wort machen? Gründe gibt es dafür schließlich immer. Den entsprechenden Text anklicken, danach den Notizzettel, der dann auf der entsprechenden Seite angelegt wird. Anschließend könnt ihr ihn frei auf dem Bildschirm platzieren. Zusätzlich gibt es noch einen Notizblock, welcher ein eigenes Textdokument darstellt. Dort könnt ihr endlos lange Notizen hinterlegen.

Der Navigator

Am Bildschirmrand platziert zeigt euch der sogenannte Navigator auf Wunsch die Struktur eures Textes an. Arbeitet ihr im Text mit Überschriften (und sei es nur „Kapitel 1, 2, 3 usw.“), dann könnt ihr dort mit einem Klick zwischen den jeweiligen Kapiteln bzw. Textpassagen hin- und herspringen. Zusätzlich können die jeweiligen Kapitelüberschriften im Navigator mit unterschiedlichen Werten belegt werden. Zum Beispiel könnt ihr sie nach Belieben einfärben oder ihnen einen Status verpassen wie „überarbeiten“, „lektoriert“, „Feinschliff“ und viele mehr. Das ist allerdings nur eine der vielen grundlegenden Funktionen des Navigators, er kann weitaus mehr! Eine grobe Übersicht erhaltet ihr auf der Homepage von Papyrus Autor, und zwar hier: *klick*

Textformatierung und individuelle Gestaltung der Benutzeroberfläche

Wie in jedem anderen Programm gibt es die üblichen Werkzeuge, um den Text nach Belieben zu formatieren. Die Benutzeroberfläche lässt sich sehr individuell gestalten, so dass ihr nur die Buttons seht, die ihr auch tatsächlich häufig braucht.

Datenbanken

Es können ganze Datenbanken für Protagonisten, Orte und Gegenstände (oder was auch immer ihr braucht) angelegt werden. Anschließend lassen sich die Datenbanken mit dem Text verknüpfen, so dass ihr zum Beispiel sehen könnt, wo und wann und wie häufig eine Person oder ein Gegenstand erwähnt wird. Ich muss allerdings zugeben, dass dies eine der schwieriger zugänglichen Funktionen von Papyrus Autor ist, weswegen ich sie noch nie in der Praxis nutzte, sondern nur ausprobiert habe. Wer aber Science-Fiction-Epen im Umfang von Frank Schätzings Werken schreiben möchte, der wird sich sehr über diese Möglichkeit freuen.

 

Sicherlich, es gibt noch weitaus mehr Funktionen. Für jeden ist etwas anderes wichtig. Die oben angeführte Auswahl fasst jedoch nach meinem Befinden den grundsätzlichen Umfang zusammen. Sicherlich findet sich für jedes Bedürfnis in Papyrus Autor eine Lösung. Zumindest habe ich noch nie jemanden klagen hören, dass er an dem Programm etwas vermisse.

Aber zu diesen Funktionen kommen zwei Features hinzu, die Papyrus Autor schlicht einzigartig machen und denen das Programm wohl auch seinen Erfolg zu verdanken hat. Da diese derartig hervorstechen, möchte ich sie von den anderen Funktionen im Folgenden gesondert vorstellen.

Der Dudenkorrektur

Mir ist noch kein Programm unter die Finger gekommen, das über eine derartig gute Rechtschreibprüfung verfügt. Klar – auch der Dudenkorrektor ersetzt kein professionelles Lektorat, aber er sieht vieles, was anderen entgeht, beziehungsweise zeigt er nicht sämtliche Wörter, die auch nur ansatzweise ein Fremdwort sein könnten, als Fehler an. Der Dudenkorrektur schimpft an den richtigen Stellen und macht zumeist vernünftige Verbesserungsvorschläge. Auch das Synonymwörterbuch, das per Rechtsklick auf ein Wort zur Verfügung steht, lässt andere seiner Art alt aussehen.

Selbst wenn ich mal einen Text in einem anderen Schreibprogramm verfasst habe – ich lasse immer noch mal den Dudenkorrektor von Papyrus Autor drüber laufen. Sicher ist sicher.

Die Stilanalyse

Vielleicht habt ihr schon von ihr gehört. Für manche haftet der Stilanalyse etwas Mystisches an. Ein Schreibprogramm, das meine Schreibe analysiert und mir eine Rückmeldung darüber gibt? Der Skeptiker spricht gar von der Gleichschaltung der Schreibe. Das Programm entscheidet nach bestimmten Kriterien, ob ein „Stil“ gut ist oder der Verbesserung bedarf. Wenn sich nun alle Autoren daran halten – dann schreiben alle gleich. Das ließe den Schluss zu, dass man anhand eines Textes erkennen kann, ob ein Autor mit der Stilanalyse arbeitet oder nicht. Wo bleibt da die Kunst?

Alles Quatsch. Es gibt gewisse Regeln, die es einzuhalten gilt, wenn man eine Geschichte so erzählen möchte, dass sie auch von anderen als spannend und interessant wahrgenommen wird. Man darf diese Regeln natürlich auch brechen, aber dann sollte man wissen, warum man das macht und welche Wirkung das auf den Leser hat. Sie von vorneherein nicht zu erlernen und das Ergebnis dann mit „Kunst“ zu entschuldigen, das kann man natürlich auch machen. Aber dann sollte man sich nicht beklagen, wenn niemand den Text wirklich bis zum Ende lesen möchte.

Die Stilanalyse durchsucht den Text also nach diesen Regeln. Und dann zeigt sie uns, wenn zum Beispiel ein Satz zu lang geraten ist oder wir wider besseren Wissens doch ein Adjektiv verwendet haben. Wenn wir uns mal wieder zu einer passiven Beschreibung haben hinreißen lassen, oder wenn ein Wiederholungsfehler vorliegt und so weiter und so fort.

Das ist eine Funktion, die besonders Anfängern gewaltig unter die Arme greift – ich spreche da aus eigener Erfahrung.  Wenn man sich einmal intensiv damit beschäftigt (und damit meine ich: Eine Seite Text sezieren, umschreiben, umformulieren, und wieder sezieren, so lange, bis jedes Wort dort sitzt, wo es hin soll. Und dann das Gleiche mit der nächsten Seite machen, und mit der nächsten und der danach, bis man alle Seiten des Manuskripts durchgeackert hat), dann lernt man dabei ungeheuerlich viel.

Wenn man das dann erst einmal drauf hat, muss man deswegen die Stilanalyse nicht komplett abschalten. Man kann sich auch nur einzelne Teile anzeigen lassen. Praktisch, wenn man weiß, wo die eigenen Schwächen liegen.

Wer das Ganze mal ohne das Programm ausprobieren möchte, der kann das auf der Homepage des Schriftstellers Andreas Eschbach machen. Herr Eschbach lieferte mit seinem „10-Punkte-Text-ÜV“ die Vorlage zur Stilanalyse von Papyrus Autor. Der 10-Punkt-Text-ÜV sieht vor, dass man seinen eigenen Text nach bestimmten Regeln durchgeht und bestimmte Wörter markiert, um sie dann gegebenenfalls auszubessern. Wie das genau funktioniert, seht ihr hier: *klick*

Ich rate davon ab, einen Text in Papyrus Autor reinzukopieren, die Stilanalyse anzuschalten und dann zu erwarten, das Geschriebene würde dadurch besser werden. Das Prinzip der Stilanalyse sollte verstanden sein, sonst verzettelt man sich schnell.

Fazit

Ist Papyrus Autor nun das Nonplusultra für Schriftsteller?

Im Grunde genommen bietet es nichts, was man nicht auch mit Stift und Papier und der entsprechenden Lektüre (Duden, 10-Punkte-Text-ÜV) und einigen Notizzetteln und Ordnern nicht auch hinbekäme.

Aber gerade Anfänger können von dem Programm enorm profitieren, und die Rechtschreibprüfung samt Synonymwörterbuch sind einfach unschlagbar. Zudem ist das Programm sehr komfortabel und auf die Bedürfnisse eines Schriftsteller zugeschnitten, so dass es nicht nur für Ordnung auf dem Schreibtisch sorgt, sondern auch Zeit spart. Zeit, in der man schreiben kann.

Hier geht es zur Homepage von Papyrus Autor, wo ihr das Programm beziehen könnt (für Windows und Mac): *klick*

Und für alle, die neugierig geworden sind, hier geht es zur Demo: *klick*

Das nächste Schreibprogramm, das ich an dieser Stelle vorstellen werde, wird übrigens Scrivener sein.

Bis dahin,

Sönke


 

Dir gefällt, was ich schreibe? Dann solltest du mal einen Blick auf meine Bücher werfen: Veröffentlichungen

 Lest auch meine anderen Beiträge zur Artikelserie für Vielschreiber.

Hardware unter der Lupe: Das Keyboard 4

Diesen Beitrag tippe ich auf einer Das Keyboard 4 Professional. Diese ist mit zwei verschiedenen Cherry Schaltern erhältlich: den MX Blue und den MX Brown. Letztere arbeiten in meiner Tastatur.

Das Keyboard 4 Professional - leider etwas unscharf. Bin halt ein Schreiber und kein Bildermacher. ;)

Meine Das Keyboard 4 Professional – leider etwas unscharf. Bin halt doch ein Schreiber und kein Bildermacher. 😉

Es gibt noch eine Ultimate-Version, deren Besonderheit die fehlende Tastenbeschriftung ist, was nach ein wenig Eingewöhnungszeit Tippgeschwindigkeit und Präzision erhöhen soll. Außerdem gibt es noch eine Ausführung für den Mac. Das finde ich schon mal eine ordentliche Angebotspalette.

Durch das Fehlen von roten und schwarzen Schaltern wird die Tastatur für einige Gamer uninteressant sein, und auch die fehlende Hintergrundbeleuchtung dürfte nicht jedem zusagen. Die erhält man bei anderen Anbietern schon für siebzig Euro weniger.

Der Verkaufspreis beläuft sich übrigens auf rund 170 Euro.

Was? Schreibt die Tastatur von selbst? Kocht sie nebenher Kaffee und massiert einem die Füße?

Nein, streng genommen hat sie noch weniger Features als viele Keyboards der Konkurrenz.

Aber was bitteschön ist dann so toll daran?

Das erfährt man in dem Moment, in dem man sie aus der schnöden Verpackung befreit: Es ist das Konzept. Man nimmt sie in die Hand, beäugt die über ein Kilo schwere Tastatur von allen Seiten und es beschleicht einen das Gefühl, einen Freund gefunden zu haben. Fast will man ihr einen Namen geben. Sie ist der Mustang der Autos, die Harley der Motorräder, der Punisher der Superhelden, sie ist mächtig cool, extrem hochwertig und so richtig, richtig BAD ASS.

Hintergrundbeleuchtung? Das ist war für Noobs. Guckst du auf den Bildschirm oder auf deine Finger?

Makrotasten? Die sind was für Faulenzer.

Stoffummanteltes USB-Kabel? Willst du schreiben, oder willst du mit dem Kabel kuscheln?

Und wo andere Tastaturen versuchen, sich mit Doppelbelegung via fn-Tasten in den Multimediasektor zu schummeln, da setzt Das Keyboard klare Zeichen. Oben rechts gibt es ein cooles, leicht zu bedienendes Lautstärkerad und die üblichen Playertasten. An der Rückseite zwei zukunftssichere USB 3.0 – Anschlüsse. Dann noch einen Mute-Knopf und einen für den Standby-Modus.

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klar definierter Multimediabereich

Dadurch, dass die Oberflächenplatte aus Alu und der Rest aus einem (Plastik-)Guß besteht, vibriert und knarrt nichts, so fest man auch auf die Tasten kloppt. Ihr wollt schreiben und nebenher Jemanden erschlagen? Kein Problem, denn diese Tastatur funktioniert mit Sicherheit auch nach Gewalteinwirkung noch. Wirklich ein Mordsbrett.

Schon mal vor lauter Wut mit der Faust auf die Tastatur geholzt? Wenn ja, dann wisst ihr, dass Standfüße nichts aushalten. Das wird mit diesem Gerät nicht passieren. Statt Standfüße wird eine robuste Leiste mitgeliefert, die via Magnete an die Unterseite geklippt wird, wenn man den Winkel erhöhen möchte. Diese Leiste dient gleichzeitig auch als Lineal. Warum auch immer.

Standleistenlineal

Standleistenlineal

Sehr lässig finde ich übrigens das zwei Meter lange Kabel. Das ist nicht nur verdammt dick (und somit bruchsicher), sondern es erlaubt mir auch ohne Umstände, die Tastatur auf dem Schoß zu parken, um im Halbliegen, die Beine auf dem Tisch, zu tippen.

Unangenehm fällt allerdings auf, dass die Buchstaben auf den Tasten nach ein paar Wochen dunkler werden. Ich will nicht sagen, dass sie abnutzen, aber nachdunkeln auf jeden Fall. Vor allem bei den Tasten, die häufig beansprucht werden, fällt das ins Auge.

im Vergleich: häufig und wenig genutzte Tasten

im Vergleich: häufig und wenig genutzte Tasten

Ich habe mir sagen lassen, dass dieses Phänomen bei gelaserten Beschriftungen normal sei, diese dafür aber eine halbe Ewigkeiten halten. Allerdings hatte meine 60 Euro teure Logitech Rubberdome-Tastatur das Manko nicht, meine Mecha von Cooler Master ebensowenig. Warum ausgerechnet krankt hier dieses Überkeyboard?

Bezeichnend ist jedoch, dass ich trotzdem bei der Tastatur hängen geblieben bin. Ich will mit nichts anderem mehr schreiben, als mit meiner Das Keyboard 4 Pro. Denn wie war das noch: Guckst du auf den Bildschirm oder auf deine Finger?

mechanische Tastaturen (Einführung)

Wer mal einen Spaziergang durch das Tastaturregal eines Elektrogroßmarkts gemacht hat, dem wird es aufgefallen sein: Die Unterschiede zwischen den einzelnen Geräten sind teilweise immens. Dinge wie Farbe und Design sind hierbei noch (größtenteils) Geschmackssache. Was aber vor allem auffällt, das sind die preislichen Unterschiede und die verschiedenen Formen und Ausstattungen. Das kann schon mal verwirrend sein.

Nun ist es so, dass die Tastatur das Gerät ist, das gerade bei Vielschreibern am meisten aushalten muss. Sie begleitet uns manchmal viele Jahre lang – da sollten wir schon ein paar Ansprüche stellen.

Generell gilt, dass man den preislichen Unterschied auch häufig in der Qualität der Tastatur merkt, meistens direkt beim Antesten. Es gibt aber neben der eigentlichen Bauqualität noch weitere Faktoren, die wir bei einem Kauf berücksichtigen sollten.

Zum Beispiel, auf welchen Tasten wir lieber schreiben. Der Trend geht seit Jahren zu immer flacheren Tasten, so dass es mittlerweile Tastaturen gibt, die komplett plan sind. Obwohl auch das unterm Strich schlicht Geschmacks- und Gewohnheitssache sein mag, kann ich mir vorstellen, dass die Fehlerquote bei den superflachen Tastaturen ansteigt, weil die Finger rein haptisch gesehen kaum noch Anhaltspunkte haben.

Nicht zu vernachlässigen ist die Frage nach der Größe einer Tastatur. Als Vielschreiber sollte man darauf achten, sich eine Tastatur mit normalem Tastenabstand zu holen. Ich kann da gut mitreden, denn ich musste eine Zeitlang gezwungenerweise auf einem Netbook schreiben, bei dem die Tastatur deutlich kleiner ausfällt. Ein paar meiner grauen Haare habe ich diesem Erlebnis zu verdanken.

Aber die Größe definiert sich nicht allein über den Abstand der Tasten zueinander und deren Maße, sondern auch über den Umfang der Tasten. So verzichten einige Tastaturen zum Beispiel auf den Ziffernblock. Diese Tastaturen werden als „tenkeyless“ bezeichnet. Aber bevor ich jedes Design einzeln beschreibe – in diesem Fall tun es wohl auch Bilder:

Fullsize Keyboard

Fullsize Keyboard

Tenkeys, no arrows

Ziffernblock mit doppelter Belegung (umschaltbar)

Ohne Ziffernblock

Ohne Ziffernblock

mini

60% Keyboard

Aber warum sollte man am Umfang sparen?

Einerseits ist das gewiss eine Frage des Platzes auf dem Schreibtisch. Es geht aber auch darum, dass die Maus näher an den Benutzer heranrückt. Macht mal den Test: Richtet die Tastatur vor euch so aus, dass das „B“ sich in der Horizontalen mittig zu eurem Körper befindet. Das ist die optimale Ausgangsposition zum Tippen. Und jetzt legt die Maus rechts neben die Tastatur, mit ausreichend Abstand, so dass ihr sie ohne Problem in alle Richtungen bewegen könnt. Ergonomisch ist anders, was?

Diese grundsätzliche Idee kommt wohl aus der Ecke der Computerspieler, denen wir ohnehin so einiges in der Entwicklung von hochwertigen Tastaturen zu verdanken haben (dazu später mehr). Gamer benutzen in der Regel beim Zocken die WASD- und die umliegenden Tasten, es stört sie also nicht, wenn die Tastatur ein wenig weiter links steht, damit die Maus näher heranrücken kann. Der „Switch“ vom Zocken zum vollwertigen Tippen zurück bedeutet dann aber, dass Maus und Mauspad nach rechts gezogen werden müssen, um die Tastatur wieder in eine optimale Position zu rücken.

Aber auch hier gilt: Geschmackssache. Und sicherlich stellt sich die Gegenfrage: Wenn ich schon so viel für eine Tastatur ausgebe, warum sollte ich dann auf Tasten verzichten?

Eine weitere Besonderheit stellen die ergonomischen Tastaturen dar, die je nach Modell unterschiedlich geschwungen sind. Hier einige Beispiele.

ergonomisch ergonomisch3 ergonomisch4 ergonomisch5

Viele Tastaturen, die als Gamingkeyboards ausgewiesen sind, glänzen noch mit Makrotasten, Multimediatasten und manchmal sogar mit eigenen kleinen Bildschirmen. Da es sich hier aber um einen Vielschreiberartikel handelt, werde ich diese Art von Tastaturen nicht berücksichtigen, auch wenn der Grat zwischen Vielschreiber- und Gamingtastatur im höheren Preissegment irgendwann sehr dünn wird und schließlich völlig verschwindet.

Dazu kommen wir jetzt. Zu den Highend-Modellen. Zu der Crème-de-la-Crème. Zu einer technischen Revolution. Oder vielmehr einer »Retrolution«. Aber langsam. Erstmal zum besseren Verständnis hier ein paar wenige technische Details:

Früher gab es diese dicken, monströsen Tastaturen (meistens in beige) mit hohen Tasten, damals, in den Achtzigern. Die haben so richtig laut geklackert beim Schreiben. Seitdem hat sich einiges getan auf dem Tastaturenmarkt. Aber unsere Schreibgeräte sind nicht nur flacher geworden, sondern auch günstiger. Und das war nur möglich, in dem man eine andere, kostengünstigere Technologie entwickelte.

Früher wurde jede einzelne Taste als eigenständiges Signal an den Rechner gesendet, doch mit der neuen Technologie war es möglich, eine Art Matte unter die Tasten zu legen, die selbst dieses Signal an den Rechner sandte, und zwar immer dann, wenn die Matte ein Signal von einer Taste erhielt. Das hatte zwar zur Folge, dass nur noch ein Signal gleichzeitig beim Rechner ankam, aber das war erstmal egal. Die neue Technologie war flacher und günstiger und etablierte sich daher auch. Diese Tastaturen nennt man übrigens „Rubberdome-Tastaturen“.

Doch – und jetzt kommt wieder der Schwenk zu den Computerspielern – ist es nicht jedem Recht, wenn nur ein Signal beim Rechner ankommt. Vor allem für Gamer ist das unbefriedigend, weil manche Spiele unterschiedliche Befehle zur gleichen Zeit haben wollen, beziehungsweise dies einen entscheidenden Vorteil gegenüber den Gegnern bieten kann. Und das können diese neuen Rubberdome-Tastaturen nicht, oder nur eingeschränkt. Auch für Schreiber kann sich daraus der Effekt ergeben, dass zwischendurch ein Buchstabe verschluckt wird. Nämlich immer dann, wenn der Tippende ein wenig übereifrig in die Tasten haut und aus Versehen zwei Tasten zeitgleich erwischt. Dann kommt nur ein Buchstabe am Rechner an.

Darum werden seit ein paar Jahren wieder Tastaturen hergestellt, die nach dem alten „mechanischen“ Prinzip funktionieren. So kam es zu einem Revival der großen Tastaturen mit den dicken Tasten, auch gerne „Mechas“ genannt.

Natürlich fand das bei Gamern großen Anklang, und da wir es hier mit einer enthusiastischen Kundschaft zu tun haben, die auch bereit ist, Geld in hochwertiges Equipment zu investieren, kamen die Mechas wieder ins Gespräch und auf den Markt. Aber letztlich ist das nicht nur eine Frage von Technik und Gaming-Entwicklung, sondern auch – und hier geht es wieder ums Thema – des Schreibgefühls.

Es hat sich nämlich ergeben, dass es sich auf mechanischen Tastaturen deutlich präziser, ermüdungsfreier und mit einer geringeren Fehlerquote tippen lässt. Außerdem ist das reine „Tippgefühl“ deutlich angenehmer, weil die Rubberdome-Tastaturen dazu neigen, nach häufiger Benutzung „schwammig“ zu werden. Da dieser Effekt schleichend auftritt, fällt er den Schreibern häufig zunächst nicht auf. Meistens erst, wenn Ermüdungserscheinungen in Fingern und Handgelenken oder Schulterverspannungen auftreten. Ihr findet das übertrieben? Nun, nicht wenn man mehrere Stunden am Tag, sieben Tage die Woche schreibt. Dann wird sowas unter Umständen wichtig.

Zudem zeichnen sich mechanische Tastaturen durch eine deutlich höhere Haltbarkeit aus (Zum Vergleich: Rubberdomes halten ca. 5 Millionen Anschläge aus, Mechas hingegen um die 50 Millionen).

Aber die Sache hat ihren Preis. Meine teuerste Rubberdome hat 60 Euro gekostet. Meine günstigste mechanische Tastatur 80. Und für die Tastatur, die ich zuletzt gewonnen habe, hätte ich bei einem käuflichen Erwerb rund 170 Ocken hinblättern müssen.

Rechtfertigen die Vorteile einer mechanischen Tastatur diese Preise?

Um dieser Frage nachzugehen, müssen wir wieder ein wenig ins technische Detail gehen.

Im Gegensatz zur Rubberdome-Tastatur verfügt bei einer mechanischen Tastatur jede einzelne Taste über einen eigenen Schalter, auch Switch genannt. Was damit gemeint ist, seht ihr, wenn ihr von eurer Tastatur mal vorsichtig eine Taste abzieht. Wenn es sich um eine Rubberdome handelt (und das wird es aller Wahrscheinlichkeit nach, denn mechanische sind eher selten und wie gesagt sehr kostspielig in der Anschaffung), dann übernehme ich allerdings keine Haftung. 😉

Ich habe mal probehalber von meiner Rubberdome eine Taste abgezogen. Schaut her:

Rubberdome

Das ist der Gummi-Nupsi, der das Signal an die Matte weiterleitet, die es dann über den USB-Stecker an den Rechner schickt.

Bei einer mechanischen Tastatur sieht das folgendermaßen aus (hier von meiner Cooler Master Quickfire TK)

Cherry MX Blue Schalter

Nicht von dem kleinen, weißen Punkt irritieren lassen; das ist die LED der Hintergrundbeleuchtung. Bei einer mechanischen Tastatur wird jede Taste einzeln beleuchtet.

Ihr seht hier einen „blauen“ Switch der Firma Cherry. Da Cherry weltweit der etablierteste Schalterhersteller ist, und meines Wissens nach auf dem deutschen Markt andere derzeit nicht (oder nur mit erheblichem Aufwand) erhältlich sind, will ich mich auf die Cherry-Schalter beschränken. Die gibt es in unterschiedlichen Ausführungen, was uns Schreibern ein jeweils anderes Schreibgefühl verschafft:

Da wären einmal die eben gesehen blauen Schalter, die sog. Cherry MX Blue Switches. Schreiben wir mit einer Tastatur, unter deren Tasten diese Schalter verbaut sind, hören wir bei jedem Auslösen einer Taste ein leises, hochfrequentes Klickgeräusch, das uns akustisch signalisiert, dass der Befehl an den Rechner gesandt wurde. (Bei einer Rubberdome muss die Taste komplett durchgedrückt werden, hier jedoch reicht ungefähr die Hälfte des Weges. Es besteht also ein Unterschied zwischen dem reinen Auslösen einer Taste und dem kompletten Runterdrücken einer Taste. Letzteres ist eigentlich nicht von Nöten, passiert aber meistens zwangsläufig.) Zusätzlich zu dem Klickgeräusch müssen wir außerdem einen kleinen Widerstand überwinden, um die Taste auszulösen. Das ist dann ein sogenanntes taktiles Feedback, das uns der Schalter gibt. Der Vorteil dieser Schalter liegt auf der Hand: Der Zehnfingertipper schaut nicht auf die Tastatur, sondern auf den Bildschirm. Durch das Klickgeräusch und das taktile Feedback erfährt er trotzdem, dass, und vor allem wann, eine Taste ausgelöst wird. Wenn man sich an diesen Schalter gewöhnt hat, ermöglicht er einem ein deutlich schnelleres und fehlerfreieres Schreiben. Das kann ich durch eigene Erfahrungen bestätigen.

An dem Klickgeräusch scheiden sich übrigens die Geister. Für einen Großteil von Mecha-Nutzern ist es längst zum Kult geworden, ich habe aber auch schon mitbekommen, dass es als störend empfunden wird. Wer seinen Schreibtisch an der Wand stehen hat, an der sich auf der gegenüberliegenden Seite das Schlafzimmer des Nachbarn befindet, sollte also vielleicht zweimal über den Erwerb dieser Schalter nachdenken.

Wem das Klickgeräusch nicht zusagt, aber ein ähnliches Tippgefühl wünscht und auch Wert auf das taktile Feedback legt, der greift zu den braunen Schaltern, den Cherry MX Brown Switches. Diese gelten übrigens den Rubberdomes am ähnlichsten (aber auf keinen Fall gleich!! Zwei Ausrufezeichen!) und wird dadurch als „Einstiegsschalter“ empfohlen. Außerdem gilt er als Allrounder unter den Schaltern, weil man mit ihm hervorragend schreiben, aber genauso gut auch zocken kann.

Die Cherry MX Black Switches bieten kein Feedback beim Auslösen, und außerdem sind sie etwas schwergängiger als die blauen und die braunen. Das hat den Vorteil, dass man sich seltener vertippt, aber den Nachteil, dass man beim Tippen schneller ermüdet. Die schwarzen Schalter sind häufiger in Gaming-Tastaturen zu finden, finden aber auch bei so manchem Tipper Anklang.

Zuletzt gibt es noch die Cherry MX Red Switches (es gibt auch noch „clears“ und neuerdings „greens“, die sind aufgrund ihrer Seltenheit aber für diesen Artikel nicht von Relevanz). Die roten ähneln den schwarzen Schaltern, jedoch benötigen sie nicht so viel Kraft, um ausgelöst zu werden. Da diese Schalter als fehleranfällig beim Schreiben gelten, aber hervorragende Eigenschaften zum Zocken bieten, sind sie fast ausschließlich bei Gamern zu finden.

Was man nicht außer Acht lassen sollte (bei allen mechanischen Tastaturen), das ist der Geräuschpegel. Denn das Klicken der blauen Schalter ist nicht die einzige Geräuschquelle. Wer dazu neigt, etwas kräftiger in die Tasten zu hauen, der hämmert bei mechanischen Tastaturen eine hohle Plastikkappe frontal auf einen ebenen Untergrund. Das kann schon mal je nach Kraftaufwand ordentlich „Klacken“.

Wer noch ein wenig mehr über die Funktionsweise der Schalter erfahren möchte, dem empfehle ich folgende Artikel:

Theorie-Praxis-Guide von TomsHardware

Mechanical Keyboard Guide vom DAS Keyboard-Blog (englisch)

Wer mal gerne Probehören möchte, wird auf Youtube mit Soundvergleichstests nur so erschlagen. Das folgende Video empfinde ich als recht repräsentativ. Aber daran denken: Geräusche werden meist etwas verfälscht wiedergegeben.

Und jetzt wieder ein dickes ACHTUNG!

Das hier ist alles Theorie. Welcher Schalter einem am ehesten zusagt, kann man nur durch Ausprobieren herausfinden. Für einen ersten Eindruck reicht ein Besuch beim Elektrogroßhandel. In der Regel findet ihr die Mechas aber nicht bei den anderen Tastaturen, sondern beim Zocker-Equipment, irgendwo zwischen Mäusen und Kopfhörern. Und selbst hier gilt, dass sich manchmal erst nach einigen Stunden, wenn nicht gar nach Tagen, sagen lässt, was man favorisiert. So mancher Schreibnerd hat sich schon im Mecha-Dschungel verirrt, weil er bereits im Besitz vieler Tastaturen mit unterschiedlichen Schaltern ist, aber dennoch immer weiter nach der einen, nach der einzig wahren Tastatur sucht, nach der ultimativen Krone unter den Schöpfungen der Tippgeräte.

Ein weiteres nettes Feature der Mechas ist die Möglichkeit der individuellen Gestaltung. Die Tasten lassen sich einzeln, aber auch komplett als Set austauschen, je nach Belieben.

Auf www.wasdkeyboards.com

oder www.elitekeyboards.com

findet ihr beispielsweise eine reichhaltige Auswahl an sog. Keycaps, aber auch bei eBay und Amazon wird man inzwischen fündig.

Außerdem erhält man bei einem Kauf in dieser Preisklasse noch häufig andere nette Sachen, wie zum Beispiel mit Stoff ummantelte, besonders robuste USB-Kabel, Hintergrundbeleuchtungen (auch bald in RGB-Farben, was bedeutet, dass man jeder einzelnen Taste eine beliebige Farbe zuordnen kann) oder Gehäuse aus Aluminium oder oder oder. Wer will, kann ganze Monatsgehälter in Tastaturen investieren, insbesondere auf dem amerikanischen Markt ist das Modden von Mechas zu einer beliebten Freizeitbeschäftigung geworden.

Und? Rechtfertigt dies alles nun den Preis?

Das ist eine Entscheidung, die jeder für sich selbst treffen muss. Ich für meinen Teil will auf nichts anderem mehr schreiben als auf einer Mecha. Ich liebe es, die Füße auf den Schreibtisch zu legen, die Tastatur auf meinen Beinen zu parken und drauflos zu klicken und klackern. Womit ich jetzt sämtliche Ergonomie-Argumente in den Wind geschossen habe. 🙂

Hier noch ein paar Modelle, die ich für besonders erwähnenswert halte:

Cherry MX Board 3.0: Neuerdings bietet Cherry selbst auch Tastaturen mit den hauseigenen mechanischen Schaltern in Kombination mit flacheren Tasten an (was bis jetzt einmalig ist). Es gibt zwar keinen Schnickschnack, keine Beleuchtung, kein gar nichts, aber dafür gibt es die Tastatur mit allen gängigen Schaltern, und das zu moderaten Preisen von um die sechzig Euro.

DAS Keyboard Ultimate: Mit der „Ultimate“-Edition der dritten, aber auch der aktuellen vierten Version der Tastatur von DAS erhalten wir ein Schreibgerät mit unbeschrifteten Tasten. Klar, dass hier ein perfekt beherrschtes Zehnfingertippsystem Voraussetzung ist. Durch das erzwungene Blindschreiben soll es zu einer Erhöhung der Tippgeschwindigkeit kommen.

Ducky Shine 3 (Shine 4 soll bald erhältlich sein). Wer auf Lichtshows steht, greift zu dieser Tastatur. Ducky ist bekannt für seine hervorragend verarbeiteten Tastaturen, aber auch für ausufernde Lichteffekte. Ich bin gespannt, was die Entwickler von Ducky mit der RGB-Technik anstellen werden. Bestimmt nichts für Epileptiker.

In den folgenden Beiträgen wird es übrigens noch ein wenig detaillierter (wenn auch weniger umfangreich), denn ich werde euch ein paar Tastaturen näher vorstellen.

Bis dahin wünsche ich viel Spaß beim Probeklackern im Elektrofachhandel,

Sönke


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Lest auch meine anderen Beiträge zur Artikelserie für Vielschreiber.

 

Zwei Empfehlungen zum Schreiben

TIPP 10

TIPP 10 ist derzeit das beste kostenlose Programm, mit dem man das Zehnfingertippsystem erlernen kann. Unzählige offizielle Internetseiten sehen das ähnlich, Stiftung Warentest ebenfalls.

TIPP 10 bringt einem das Tippen in insgesamt 20 Lektionen bei, angefangen von der Grundhaltung der Finger, bis hin zur Bedienung des Ziffernblocks. Dabei merkt sich das Programm die Schwächen des Lernenden und baut die Lektionen entsprechend auf. Nach jeder Lektion erhält man eine ausgiebige Analyse, damit man sehen kann, welche Finger noch nicht so richtig gehorchen wollen.

Zusätzlich bietet das Programm eine Vielzahl an Diktaten, die in der Regel etwas länger dauern als eine Lektion. Dazu gibt es noch ein paar Besonderheiten, beispielsweise eine Extralektion mit C++ für Programmierer.

Ich nutze das Programm auch heute noch ab und zu, um an meiner Präzision und Geschwindigkeit zu tüfteln (und um meine blinden Flecken auszubügeln: Zahlen und Sonderzeichen).

Wer neugierig geworden ist, hier geht’s zur Seite des Herstellers, wo das Programm auch kostenlos heruntergeladen werden kann (für alle Betriebssysteme):*klickeliklick*

Deutsches Schriftstellerforum

Die folgende Empfehlung richtet sich an alle Vielschreiber, die hauptsächlich Geschichten und Gedichte in die Tasten hauen: das Deutsche Schriftstellerforum, zu finden unter folgender Adresse: www.dsfo.de

Egal, ob man bereits mehrere Romane veröffentlicht hat, oder ob man sich vielleicht nur vorgenommen hat, mal etwas zu schreiben, aber nicht weiß, wie man anfangen soll – hier findet jeder, was er sucht.

Fragen zu Orthographie, zum Plotaufbau, zu Marketingstrategien beim Selfpublishing, zu Schreibratgebern, zu Formulierungen, Klappentexten und Exposees – es wird alles beantwortet. Es gibt eine eigene Rubrik für Recherchefragen, bei denen sich die Schreiber mit ihrem Wissen gegenseitig unter die Arme greifen, es gibt eine Textwerkstatt, in der man seine Texte auf Herz und Nieren von anderen Usern prüfen lassen kann.

Kurzum: Hier gibt es nichts, was es nicht gibt.

Aber Achtung: Das Forum lebt vom Mitmachen. Wer glaubt, er könne einfach einen zwanzigseitigen Text gegenlesen lassen, der irrt sich. Hier wird Mitarbeit gefordert, sonst funktioniert es nicht, schließlich steckt hinter dem Forum unglaublich viel Herzblut. Die Mitglieder behandeln sich untereinander mit Respekt und Freundlichkeit, aber trotzdem sollte man eine gehörige Portion Kritikfähigkeit mitbringen (für einen Schreiber ohnehin das A und O). Denn wer andere um Rat bezüglich seines Textes bittet, der sollte auch damit rechnen, diesen Rat in ehrlicher Form zu erhalten.

Es ist übrigens bereits schon unheimlich lehrreich, wenn man erst einmal nur mitliest.